Neue OZ: Kommentar zu Italien / Justiz / Knox



Osnabrück (ots) – Schwarzer Tag für Italiens Justiz

Die dramatische Wende im Fall Amanda Knox ist eine schallende Ohrfeige für die italienische Staatsanwaltschaft und Polizei. Im Berufungsprozess konnte die Verteidigung den Ermittlungsbehörden Schlamperei im Umgang mit den DNA-Spuren nachweisen. Den Richtern blieb deshalb gar keine andere Wahl, als die junge US-Studentin und ihren Ex-Freund wieder auf freien Fuß zu setzen. So wurde aus der vermeintlichen Mörderin Amanda Knox ein Justizopfer, das offensichtlich vier Jahre lang unschuldig hinter Gittern saß. Das ist ein schwarzer Tag für Italiens Justiz, die ohnehin in Europa keinen exzellenten Ruf genießt.

Besonders bitter an dem Fall ist jedoch, dass kaum noch jemand über das eigentliche Opfer spricht. Die Britin Meredith Kercher war 21 Jahre alt, als sie in der Studenten-Wohngemeinschaft brutal vergewaltigt und anschließend mit zahlreichen Messerstichen ermordet wurde. Die Vorstellung, dass diese Bluttat womöglich niemals aufgeklärt wird, dürfte nicht nur den Eltern des Mordopfers unerträglich vorkommen. Leider macht das bisherige Vorgehen der italienischen Ermittlungsbehörden wenig Hoffnung darauf, dass die Mörder einer gerechten Strafe zugeführt werden.

Was geschah wirklich in der schrecklichen Nacht? Amanda Knox hat oft ihre Unschuld beteuert und erfolgreich für ihre Freiheit gekämpft. Wahrscheinlich wird sie ihre Geschichte nun für viele Millionen an Hollywood verkaufen. Das wäre rechtens, aber geschmacklos.

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