Osnabrück (ots) – Die Qual der Wahl
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Dieses Motto wird wahr, wenn die
Tories weiter taumeln. Was kaum jemand für möglich gehalten hätte:
Parteichef David Cameron hat einen Vorsprung von fast 20 Prozent vor
Premier Gordon Brown und Labour nahezu in den Sand gesetzt.
Derzeit machen Cameron mehrere Baustellen zu schaffen. Vor allem
fehlt ihm der Rückhalt in der Partei. Auch die Steueraffäre um
Parteivize Lord Ashcroft ist er viel zu lax angegangen. Cameron muss
sich für den Wahlkampf also einiges einfallen lassen, um Anfang Mai
als Erster das Ziel zu erreichen. Sein Versprechen, für Hoffnung,
Optimismus und Wandel zu sorgen, wird jedenfalls nicht reichen.
Für die Briten wird damit das Votum zur Qual. Denn Brown gilt den
meisten als unwählbar. Dass der Schotte überhaupt noch im Amt ist,
grenzt an ein Wunder. Denn seine Bilanz ist betrüblich: hohe
Arbeitslosigkeit, Rekord-Schulden von 180 Milliarden Euro, dazu
innerparteiliche Putschversuche gegen ihn und Affären wie der Lobby-
und Spesen-Skandal, der freilich alle Parteien betraf. Allein die
wieder in Gang kommende Wirtschaft hat Brown politisch Luft
verschafft. Für den Wahlsieg ist das zu wenig. Verpassen sowohl
Labour als auch die Tories die absolute Mehrheit, bliebe nur eine
Minderheitsregierung, die traditionell auf der Insel kaum Chancen
haben dürfte.
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