Osnabrück (ots) – Zwiespältige Empörung
Ach je, kann man bei dieser Nachricht nur hin- und hergerissen
seufzen. Ja sicher ist es schlimm, wenn immer noch hochnäsig
diffamierende Zerrbilder von Schwarzen verbreitet werden. Und das in
Zeiten von immer noch oder schon wieder massiven Vorurteilen gegen
andere Hautfarben oder Nationalitäten. Dass da ein Kongolese mit
berechtigtem Zorn gegen solche Darstellungen vorgehen will, ist
verständlich. Weniger einleuchten mag dagegen der Trend, alte Bücher
an den Pranger der Political Correctness zu stellen. Vor 80 Jahren
war das entsprechende Feingefühl eben noch nicht so ausgeprägt wie
heute.
Wenn jetzt jedes Druckerzeugnis auf Diskriminierungen von
ethnischen und sozialen Minderheiten, von Religionen und anderen
Wertesystemen durchforstet würde – dann gäbe es bald keine ältere
Literatur mehr. Andersherum: Literatur wäre nicht mehr als Spiegel
ihrer Zeit zu erkennen, sondern müsste auf einen jeweils aktuellen
Wertekanon umfrisiert werden. Was für ein Verlust und was für ein
Mangel an geistiger Souveränität!
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