Neue OZ: Kommentar zu Filmfest Ludwigshafen / Preis für Fernsehfilme



Osnabrück (ots) – Sprechendes Datum

Schon das Datum der Ankündigung taugt als Argument. Gestern stellte das Filmfest Ludwigshafen einen Preis für Fernsehfilme vor. Zugleich war gestern der 65. Geburtstag von Rainer Werner Fassbinder. Wie kein zweiter Klassiker der Filmgeschichte beglaubigt er die Kino-Tauglichkeit von TV-Produktionen. Ein wesentlicher Teil seines Werks verdankt sich der Zusammenarbeit mit Fernsehanstalten oder ist direkt für den Bildschirm inszeniert; die restaurierten Fassungen seiner Arbeiten laufen als Gala-Premiere auf der Berlinale. Den Ludwigshafener Festival-Machern ist also nur zuzustimmen: Um ein TV-Werk auf die Leinwand zu holen, muss man nicht warten, bis ein Regisseur tot und kanonisiert ist.

Die schlichte Wahrheit hinter dem neuen Preis: Das Kino braucht das Fernsehen – als Geldgeber und als Forum. Es ist eine gute Geste, wenn TV-Produktionen auch bei Filmfestivals wahrgenommen und zur Diskussion gestellt werden. Auch in der Debatte um den sogenannten amphibischen Film kann das nur nutzen. Diese von Beginn an für die Zweitauswertung im Fernsehen konzipierten Werke werden dafür kritisiert, dass sie dem Kino das Bildschirm-Erzählen aufzwingen. Ein Filmpreis für das Fernsehen dreht den Spieß nun auf charmante Weise um. Denn in Ludwigshafen gelten ja auch weiterhin Kinogesetze. Hier werden die Fernsehregisseure beweisen müssen, dass ihre Arbeiten auch den Ansprüchen der Leinwand standhalten.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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