Neue OZ: Kommentar zu Europa / Finanzkrise / Ratingagenturen



Osnabrück (ots) – Die Geister, die sie riefen

Schwere Fehler wirft EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier den Ratingagenturen vor. Recht hat er, die Falschmeldung von Standard & Poor’s vergangene Woche über eine angebliche Herabstufung Frankreichs war nur die jüngste aus einer Reihe von Pannen. Führende Agenturen bedachten die Bank Lehman Brothers und das nahezu bankrotte Island noch kurz vor dem jeweiligen Zusammenbruch mit guten Noten. Angesichts der verheerenden Wirkung, die ein Ratingurteil auf die Finanzierungsbedingungen ohnehin strauchelnder Staaten haben kann, ist Barniers Wunsch verständlich, die Macht der Agenturen zu begrenzen.

Allerdings hat der Kommissar in seiner gestrigen Kampfansage etwas verschwiegen: Europäische und nationale Institutionen haben kräftig dazu beigetragen, dass die drei größten der Zunft, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch, heute über einen Marktanteil von 90 Prozent verfügen und Staaten an den Rand des Abgrundes treiben können. So verlangt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für die Geldanlagen von Versicherungen Bewertungen durch die großen drei. Die Europäische Zentralbank fordert vor dem Ankauf bestimmter Anleihen ein Rating zumindest einer der größten Agenturen. So hilft man einem Oligopol, Konkurrenten in Schach zu halten. Die Regulierer behindern den Wettbewerb, der die gescholtenen Marktführer zu mehr Sorgfalt und Transparenz zwingen könnte.

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