Osnabrück (ots) – Unverantwortlich
In Afghanistan lauert der Tod, in Deutschland der Staatsanwalt.
Das ist die bittere Gefühlslage vieler ISAF-Soldaten der Bundeswehr.
Der Fall Oberst Klein spiegelt sie wider. Klein ließ zwei von den
Taliban gekaperte Tankwagen bombardieren, die eine Bedrohung für das
deutsche Lager in Kundus darstellten. Seitdem ermittelt die
Generalstaatsanwaltschaft. Allein das genügt, um Vorverurteilungen in
der Öffentlichkeit zu schüren, die den Oberst in die Nähe von
Kriminellen rücken.
Das ist unverantwortlich. Deshalb war es richtig, wie jetzt auch
der NATO-Untersuchungsbericht belegt, dass sich die Kanzlerin
demonstrativ vor den Oberst gestellt hat. Doch das reicht nicht. Die
neue Regierung muss endlich die juristische Basis für ihren
Einsatzbefehl nachbessern. Kriegsverbrechen gehören geahndet. Oberst
Klein hingegen hat getan, wofür er vom Bundestag entsendet wurde:
seine Soldaten und afghanische Zivilisten vor den Taliban zu
schützen.
Bleibt die Frage, warum sich die US-Alliierten in Kabul Stunden
nach dem Bombardement zu moralischen Richtern aufgespielt haben.
Erstens: Die Nerven liegen angesichts der verheerenden Lage blank.
Und zweitens: In Europa wurden die US-Soldaten oftmals als
schießwütige Cowboys verunglimpft. Der Fall Oberst Klein schien
einigen US-Generälen gerade recht zu kommen, um am Image des lieben
deutschen Brunnenbau-Soldaten zu kratzen.
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