Neue OZ: Kommentar zu Bologna-Prozess



Osnabrück (ots) – Wunsch und Wirklichkeit

Dass die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master nahezu abgeschlossen ist, heißt noch lange nicht, dass der Bologna-Prozess in Deutschland erfolgreich umgesetzt wurde. Quantität ist eben nicht gleich Qualität. Zwar feiert Bildungsministerin Annette Schavan zu Recht einige Erfolge, verkennt zugleich aber die Schattenseiten dieser großen europäischen Hochschulreform.

So ist in der Tat zu begrüßen, dass immer mehr junge Menschen einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen. Auch der leichtere Zugang zum Studium ohne Abitur ist positiv, und nicht zuletzt sprechen die guten Arbeitsmarktchancen der Absolventen für einen Erfolg Bolognas.

All dem steht allerdings eine leidige Wirklichkeit aufseiten der Studenten entgegen: Der Druck auf sie ist gewachsen, ihre Arbeitsbelastung ist unangemessen hoch. Das Empfinden von Angst und Stress hat zugenommen, der Bedarf an psychologischer Beratung ist gestiegen. Das straff organisierte Bachelor-Studium verhindert die wertvollen charakterbildenden Lebens- und Berufserfahrungen, die Diplom- und Magisterstudenten einst parallel zum Studium machen konnten. Hinzu kommt: Viele Arbeitgeber bevorzugen nach wie vor ältere Absolventen mit ausgereifter Persönlichkeit.

Die berechtigten Bologna-Ziele sollte das nicht in Abrede stellen. Das Wohl der Studierenden aber darf auf dem Weg dorthin nicht auf der Strecke bleiben.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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