Köln (ots) – Scharfe Kritik an der für den 1. Oktober 2009
geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte hat der
Regierungsberater Prof. Jürgen Wasem geübt. Gegenüber dem
ARD-Politikmagazin MONITOR erklärte er, die Karte werde “primär aus
politischen Gründen” an den Start gehen: “Ökonomisch wird sie ein
Minusgeschäft sein, das letztlich die Versicherten zahlen”, so Wasem,
der einer der wichtigsten Berater von Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) ist.Wasem ist Vorsitzender des
Bewertungsausschusses für ärztliche Leistungen und des
“Wissenschaftlichen Beirats” zum Risikostrukturausgleich. Da die
Karte nicht alle Leistungen erbringe, solle auf den geplanten Start
zunächst verzichtet werden, so Wasem.
Ein heute abgeschlossener zweijähriger Test der Karte in der
Modellregion Bochum-Essen, förderte gravierende Mängel bei der
technischen Anwendung zutage: So beklagen die teilnehmenden Ärzte,
das elektronische Rezept benötige doppelt so viel Zeit wie das
handschriftliche Ausstellen. Auch die digitale Kommunikation zwischen
den Ärzten stehe nicht zur Verfügung. Die Eintragung von Notfalldaten
sei zu kompliziert und zeitaufwändig. Die Ministerin bleibt bei der
geplanten Einführung am 1. Oktober 2009 und damit gut drei Jahre nach
dem gesetzlich vorgesehenen Start.
Kritiker verweisen überdies auf eine drohende Kostenexplosion. So
kalkuliert das Bundesgesundheitsministerium nach wie vor mit Kosten
von 1,4 Milliarden Euro. Eine von der verantwortlichen
Entwicklungsfirma Gematik in Auftrag gegebene Studie der
Beratungsfirma “Booz Allen Hamilton” prognostiziert allerdings Kosten
von 2,8 Milliarden bei einer fünfjährigen Einführungsphase, im
Worst-Case-Szenario sogar von 5,4 Milliarden.
Klaus Detlef Dietz, Geschäftsführer vom Verband der privaten
Krankenversicherung (PKV) erklärte hierzu gegenüber MONITOR:
“1,4 Milliarden sind nicht mehr realistisch.” Diese Schätzung sei
veraltet. Bei den Privatversicherungen kalkuliere man längst mit
Kosten von 5,4 Milliarden.
Monitor am 02.07.09 um 21.45 Uhr im Ersten
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