Mitteldeutsche Zeitung: DDR-Vergangenheit SED-Forscher der FU Berlin erwartet noch mehr Opfer durch Stacheldraht und Mauer



Halle (ots) – Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, geht davon aus, dass die Zahl der Toten, die auf der Flucht aus der DDR gewaltsam ums Leben kamen, noch stark nach oben korrigiert werden muss. “Die Opfer, die über Drittländer wie Bulgarien oder Jugoslawien geflohen sind, sind kaum erforscht”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Donnerstag-Ausgabe). “Da könnten noch bis zu hundert dazu kommen. Das wurde völlig kaschiert. Die wurden vor Ort verscharrt – und fertig.” Schroeder rechnet “mit insgesamt 1 000 Opfern. Es sind mehr als die, die offiziell bekannt sind.” Die “Zentrale Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität” in Salzgitter kam auf 872 Maueropfer. Der Wissenschaftler kritisierte zugleich die Leiterin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt, die am Mittwoch bei einer Pressekonferenz von 1 393 Todesopfern gesprochen und dabei beispielsweise auch jene einbezogen hatte, die bei Grenzkontrollen einen Herzinfarkt erlitten. Hildebrandt pflege “einen sehr weiten Begriff von Maueropfer”, erklärte Schröder und fügte hinzu, er würde nicht alle “in einen Topf werfen. Man baut da unnütze Fronten auf.” Ähnlich hatte sich zuvor der Direktor der offiziellen Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, Axel Klausmeier, geäußert. Hildebrandt könne nicht plausibel belegen, welche Kriterien sie bei der Ermittlung ihrer Daten zugrunde lege, sagte er. Die Gedenkstätte hat in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam 136 Tote von 1961 bis 1989 ermittelt – an der Berliner Mauer. Morgen vor 49 Jahren wurde die Mauer gebaut.

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Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200

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