Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Tierhaltung/Antibiotika von Katia Mayer-Tien



Regensburg (ots) – Theoretisch wissen wir ja alle, dass es besser wäre, zu den Ernährungsgewohnheiten unserer Großeltern zurückzukehren und Huhn, Schwein und Rind nur noch als Sonn- und Festtagsschmaus auf den Tisch zu bringen. Äßen wir weniger Fleisch, dann wären wir gesünder, das Weltklima besser, die Tiere glücklicher. Massentierhaltung wäre unnötig, präventiver und massenhafter Einsatz von Antibiotika obsolet, multiresistente Keime könnten hier gar nicht entstehen. Es gehört aber zu den Errungenschaften der modernen Massenindustriegesellschaft, dass Fleisch heute überall zu Spottpreisen verfügbar ist. Und die Abkehr von der Massentierhaltung, wie sie mit Slogans wie “Bauernhöfe statt Agrarindustrie” gefordert wird, ist utopisch, solange der tägliche Fleischkonsum als Grundrecht wahrgenommen wird. Das Problem der multiresistenten Keime ist lange bekannt. Es ist kein Zufall, dass die Landwirtschaftsministerin den Gesetzentwurf zur Beschränkung des Antibiotikaeinsatzes schon fertig in der Schublade hatte. Und es ist richtig, den präventiven, unsachgemäßen Medikamenteneinsatz in den Tierfarmen zu verhindern. Nur: Wenn Tiere krank werden, ist der Einsatz von Antibiotika unumgänglich. In jeder Tierzucht, auch in der mit Biosiegel. Und überall dort, wo Antibiotika in großen Mengen eingesetzt werden, können resistente Keime entstehen. Das ist in der Tierzucht nicht anders als im Krankenhaus. Sie sind der Preis, den wir für den Komfort der modernen Gesellschaft zahlen. Und solange sich unsere Gesellschaft nicht grundlegend ändert , solange täglicher Fleischkonsum selbstverständlich ist, solange können wir dieser Gefahr nur mit einer weiteren Errungenschaft der Moderne begegnen: bestmöglicher Hygiene.

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