Minden (ots) – Von Christoph Pepper
Nein, so hatten sich die Koalitionsspitzen die Wahl des neuen Bundespräsidenten nicht vorgestellt. Mit Ach und Krach bekamen sie ihren honorigen Kandidaten durch; trotz komfortabler schwarz-gelber Mehrheit in der Bundesversammlung brauchte es drei Wahlgänge, um Christian Wulff ins höchste deutsche Staatsamt zu hieven. Geschlossenheit sieht anders aus. In der Wahlkabine ist jeder mit dem Stimmzettel allein, insofern kann über die Wulff-Verweigerer und ihre Motivation nur spekuliert werden. Gewiss war da die überzeugende Persönlichkeit des von Rot-Grün taktisch geschickt präsentierten Gegenkandidaten Joachim Gauck. Und sicher war auf schwarzer wie gelber Koalitionsseite manche interne Rechnung mit der Führung zu begleichen, suchte manch Unmut über den inneren und äußeren Zustand der vermeintlichen Wunschkonstellation ein Ventil. Dafür jedoch hätte der erste Wahlgang allemal gereicht. Spätestens im zweiten Wahlgang war jedem klar, dass ein weiteres Durchfallen Wulffs dem ohnehin schon verheerenden Ansehen der Koalition in der Öffentlichkeit weiteren, womöglich irreparablen Schaden zufügen würde – prompt kamen ja auch die ersten entsprechenden Einordnungen aus dem Oppositionslager. Wer da noch den Stimmzettel zum Protest nutzte, musste diesen Ansehensverlust also beabsichtigen – samt der unweigerlich folgenden Scharmützel gegenseitiger Verdächtigungen und Schuldzuweisungen. Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer werden die schwarz-gelbe Koalition deshalb nun mit der Gewissheit schwindender Gefolgschaft in den eigenen Reihen fortsetzen müssen. Angesichts des ohnehin wenig ansprechenden Gesamtzustands des Regierungslagers lässt das für die kommende Zusammenarbeit wenig Gutes erwarten. Christian Wulff wird dennoch ein guter Bundespräsident sein können – mit seiner Person hatte das Wahlverhalten wohl am wenigsten zu tun.
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