Mindener Tageblatt: Kommentar zum Murks bei Biosprit / Absurdistan



Minden (ots) – Was für ein Murks: Millionen tief verunsicherte Autofahrer streiken an der Zapfsäule und zeigen der schleichenden Einführung des neuen Bio-Treibstoffs E 10 eine lange Nase. Das Desaster war abzusehen. Schließlich versteht der Deutsche beim bekanntlich “liebsten Kind” keinen Spaß. Das hätte die Bundesregierung beim erzwungenen Wechsel berücksichtigen müssen. Wer so schlampig und passiv informiert, wer die Sorgen des Autofahrers ignoriert, wer den Schwarzen Peter und die Aufklärungsarbeit der Benzinbranche zuschiebt, der muss sich über eine derartige Abfuhr nicht wundern. Schon die Umsetzung der EU-Vorgabe in deutsche Paragraphen war miserabel: Ein Bestandsschutz für E5-Benzin wurde zwar festgeschrieben. Alles weitere hat der Gesetzgeber aber blauäugig den trickreichen Konzernen überlassen. Die missbrauchen, das war vorauszusehen, die Gunst der Stunde mit fadenscheinigen Begründungen zur Abzocke. Weil das herkömmliche 95-Oktan-Super nicht mehr angeboten wird, müssen nun mehr als drei Millionen Autofahrer, deren Wagen schon bei einer Fehlbetankung großen Schaden nehmen kann, das bis zu acht Cent teurere Super Plus zapfen. Die Kunden schrecken an der Tankstelle auch deshalb zurück, weil sie den ökologischen Nutzen bezweifeln. So steigert der (weniger leistungsstarke) Bio-Sprit den Verbrauch um bis zu fünf Prozent, wie Tests von Fachmagazinen ergaben. Um den Ethanolbedarf aus Weizen, Mais oder Zuckerrüben zu decken, sind zusätzliche Anbauflächen nötig – mit höheren CO2-Emissionen. Selbst die Umweltschützer vom BUND sprechen von einer Mogelpackung. Fazit: Auch wenn sich die Kanzlerin die Rettung des Weltklimas auf ihre Fahnen geschrieben hat – das nicht zu Ende gedachte E 10-Projekt hätte von der Bundesregierung schon in Brüssel gestoppt werden müssen.

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Mindener Tageblatt
Christoph Pepper
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