London (ots/PRNewswire) – Von John Ventre, Portfolio Manager, Skandia Investment Group
Der Preis für Wertpapiere hängt häufig entscheidend davon ab, wie einfach und zu welchen Konditionen die für ihren Kauf benötigten Mittel beschaffbar sind. Erinnern wir uns etwa an die Jahreswende 1999/2000. Damals versorgte die US-Notenbank Fed die Geldmärkte vorsorglich mit mehr Kredit. Ziel war es, die für die Wirtschaft zum Jahrtausendwechsel von Grossrechnern und anderen IT-Systemen ausgehenden Risiken abzufedern. Quasi als Nebeneffekt der Vorsichtsmassnahme stieg der Nasdaq Composite Index zwischen September 1999 und Ende Januar 2000 um satte 58 Prozent.
Damals befanden wir uns in einem Bullenmarkt und die Episode ist sicher ein extremes Beispiel für eine liquiditätsgetriebene Rallye. Es gibt aber durchaus weitere Fälle. So ist es noch nicht lange her, da stiegen die Immobilienpreise in Hongkong exorbitant, weil der Markt mit günstigen Dollars geflutet worden war.
Diesen Sommer haben die Märkte allerdings das genaue Gegenteil erlebt: einen drastischen Liquiditäts-Engpass. Eine wichtige Quelle kurzfristiger Finanzierung ist für europäische Banken traditionell der US-Geldmarkt. Doch dort setzte angesichts der Euro-Krise ein Käuferstreik ein und die Banken diesseits des Atlantiks wurden ihre Kreditpapiere nicht mehr los. Notenbanken erkannten rasch die Gefahr, die vom Versiegen der Finanzierungsquelle ausging. Deshalb entschied sich die Fed, der Europäischen Notenbank (EZB) die eigenen kurzfristigen Liquiditätspools über sogenannte Swap-Vereinbahrungen zugänglich zu machen. Die europäischen Notenbanker sollten darüber mehr Zündkraft in ihrem kriselnden Geldmarkterhalten.
Nun haben die Notenbanken der Schweiz, Japans, Kanadas, der USA, Grossbritanniens und auch die EZB ein solch konzertiertes Krisenmanagement in eine neue Dimension katapultiert. Untereinander haben die Zentralbanken Tauschmechanismen eingerichtet, über die sie ihre kurzfristigen Geldmärkte mit Liquidität gegenseitig von aussen stärken können. Um den multi-lateralen Mechanismus leichter verfügbar zu machen, wurden zudem die Ausleihsätze für solche Hilfen halbiert.
Es wird einiger Zeit bedürfen, um herauszufinden, wie sich die Schritte konkret auf den Markt auswirken werden. Fest steht jedoch, dass solche Massnahmen in der Vergangenheit starken Kursauftrieb bei Wertpapieren wie Aktien auslösten – genauso, wie sich der “crunch” am Geldmarkt diesen Sommer und Herbst dämpfend auswirkte.
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