Leipzig (ots) – Die Hamburger Scientology-Expertin Ursula Caberta
hofft, dass mit dem heute Abend in der ARD gesendeten TV-Drama “Bis
nichts mehr bleibt” eine neue Verbotsdebatte der Organisation
beginnt. “Vielleicht hilft der Film ja, eine neue öffentliche
Diskussion über ein Verbot von Scientology anzustoßen. Bis dahin ist
es allerdings weiter ein mühsamer Weg”, sagte Caberta der “Leipziger
Volkszeitung” (Mittwoch-Ausgabe). In der Innenministerkonferenz der
Bundesländer hatte sich, mit Ausnahme von Bayern und Hamburg, bislang
keine Mehrheit für ein Scientology-Verbot gefunden, obwohl die
Organisation seit 1997 vom Bundesverfassungsschutz beobachtet wird.
Caberta sagte, der Spielfilm leiste einen wichtigen Beitrag zur
Aufklärung über die Methoden von Scientology. Es werde zum ersten Mal
in Deutschland in einem Spielfilm dargestellt, wie Scientology
wirklich funktioniert. “Die Geschichte über verschiedene Aussteiger
basiert auf reale Vorfälle. Es wurden im Film Original-Materialien
von Scientology verwendet, deshalb gibt es ja auch keine Klage gegen
den Film. Die merken, sie haben gegen die Veröffentlichung keine
Chance.” Aussteiger hätten nach wie vor große Probleme, die
Organisation zu verlassen. “Die geben nicht auf, Aussteiger
zurückzuholen. Betroffene berichten immer wieder, dass man zwar mit
den Füßen rauskommt, aber mit dem Kopf so schnell nicht. Durch die
intensive Gehirnwäsche ist die psychische Abhängigkeit so stark, dass
es lange dauert, bis man wieder im normalen Leben ankommt.” Wer zudem
öffentlich gegen Scientology ankämpft, werde in deren System zum
Feind erklärt. “Er gilt als vogelfrei und soll vernichtet werden. Das
macht schon Angst.”
Die Sektenexpertin beklagte, dass es in Deutschland leider eine
verbreitete Sorglosigkeit im Umgang mit Scientology gebe. Auch in
Deutschland habe es die Organisation geschafft, eine Lobby zu
bekommen. “Als Tom Cruise den Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg
spielte, jubelte hierzulande das Feuilleton und Scientology bekam
plötzlich in Deutschland ein nettes Gesicht”, so Caberta.
Andererseits habe genau das auch eine Trotzreaktion ausgelöst, die
schließlich zur SWR-Produktion des Scientology-Aussteiger-Films
geführt hat.
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