Leipzig (ots) – Von Anita KeckeFunktion als Anwalt der
SchwachenDie Kirchen genießen als moralische Autorität hohes Ansehen.
Über die Hälfte der Deutschen vertraut ihnen, besagt eine Umfrage
dieser Zeitung. Sie rangieren damit vor den Politikern, sind fester
Bestandteil der Gesellschaft mit sinngebender, kittender und
mahnender Funktion. Zu Weihnachten wird das deutlicher als sonst.
Dies bedeutet, dass sie auch eine Verantwortung haben, auf die
Missstände hinzuweisen, deren Folgen sie als Stätten der
Barmherzigkeit früher und intensiver spüren als andere. Deshalb war
es nur konsequent, dass die Würdenträger, von Papst Benedikt XVI.
über die Bischöfe der beiden Kirchen in Deutschland bis zu vielen
Pfarrern die weltweite Finanzkrise zum Anlass nahmen, um die Gier
nach Geld an den Pranger zu stellen. Denn beim Streben nach maximalem
Gewinn sind nicht nur so manche Grundregeln des soliden Wirtschaftens
über Bord gegangen, sondern auch christliche Grundsätze.
Wenn die Kirchen hier als Anwälte der Schwachen auftreten, erfüllen
sie eine wichtige Funktion, um die Werte, die eine sozial
verantwortliche Gesellschaft prägen sollten, wieder ins Lot zu
rücken. Doch wenn Deutsche-Bank-Chef Ackermann die Kritik von Bischof
Huber – obwohl sie in diesem Kontext zu sehr auf den Einzelfall zielt
- gleich zurückweisen lässt, statt nachdenkliche Töne über mehr
Bescheidenheit von sich zu geben, dann spricht das eben auch für
sich. Sowohl Huber als auch Bischof Zollitsch mahnen aber zu Recht
nicht nur die Manager, sondern auch die Politiker, bei ihren
Entscheidungen mehr die sozialen Auswirkungen zu bedenken.
Beide Kirchen haben sich an diesem Weihnachtsfest deutlicher als
sonst eingemischt. Zugleich öffneten sie sich bekennender als bisher
den neuen realen Lebenswelten. So blickte Bischof Noack von der
evangelischen Kirchenprovinz Sachsen bewusst über die traditionelle
Klientel der Kinder, Familien und Senioren hinaus und verlangte von
der Kirche, sich neuen Zielgruppen zuzuwenden, wie den
Alleinlebenden. Zollitsch wiederum widmete sich den Praktikanten in
endlosen Warteschleifen und kritisierte die Firmen, die den jungen
Fachleuten keine Festanstellung geben.
Die Kirchen haben die Festtagsaufmerksamkeit gut genutzt, um
Verstaubtes abzustreifen, bei aktuellen Problemen Wegmarken zu setzen
und auch junge Leute anzusprechen. Viel wäre schon erreicht, wenn sie
das allgemeine Nachdenken über die Grundlagen des menschlichen
Miteinanders neu beleben könnten.
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