Leipzig (ots) – Von Peter Korfmacher. Deutschland sucht den
Superstar. Ganz Deutschland? Immerhin mehr als fünf Millionen
Zuschauer suchten über die gesamten aktuelle Staffel, es ist bereits
die sechste, mit. Und das heutige Finale wird noch einmal mehr
erreichen.
Dennoch stellt sich die Frage, wer da eigentlich wen oder was sucht.
Denn sollte es wirklich der Superstar sein, ist die ganze
Angelegenheit wohl auf Langfristigkeit angelegt. Bisher jedenfalls
war keiner dabei. Und auch Sarah oder Daniel werden sicher keinen
Stern auf dem Walk of Fame bekommen. Wenn es überhaupt reicht für
eine Karriere, die über das hinausgeht, was der RTL-Vertrag dem
Gewinner zusichert: den Knebelvertrag, der ihn oder sie für eine
Platte plus Tour an Dieter Bohlen als Produzenten kettet. Sucht also
eigentlich der Dieter den Superstar? Das würde zwar auch mit dem
Kürzel DSDS funktionieren, trifft aber den Kern ebenso wenig.
Grönemeyer ist ein Superstar, Pink, Robbie Williams. Sie alle
brauchen keinen Dieter.
Nein, auch Bohlen sucht nicht. Im Gegenteil: Man hat ihn gefunden.
Als Gesicht, Galionsfigur, Reibefläche für das Ergebnis der
eigentlichen Suche: der nach der Supershow, der Quote mithin, den
Werbeeinnahmen schließlich. Und Shows sind derzeit eben besonders
erfolgreich, wenn wer was sucht: Bauern Frauen, Topmodels jüngere
Topmodels, Löffelbieger Nachfolger, irgendwer einen, der, weil’s zum
Superstar nicht reicht, immerhin Dschungelkönig werden will.
Die guten dieser Formate – und dazu gehört DSDS durchaus –
funktionieren auf zwei Ebenen:Da gibt es Kandidaten, die so verwegen
unbegabt sind, dass kaum vorstellbar scheint, sie seien nicht
eingekauft, um der Show die Würze und Bohlen was zum Niedermachen zu
geben. Und dann gibt es die, die wirklich etwas können, die Sarahs
und Daniels.
Irgendwo auf diesem weiten Feld zwischen Verrückten und Begabten
findet jeder, was er braucht: eine Identifikationsfigur, ein
Feindbild, Munition für Fremdschämen oder Schadenfreude. Darum sehen
so viele zu. Darum ist nichts Schlimmes daran, dass Deutschland auf
diesem Wege noch keinen Superstar gefunden hat. Und wem das alles zu
blöd ist, zu oberflächlich, zu gemein, zu zynisch; wer glaubt,
gebührenfinanziertes Fernsehen garantiere eine Grundqualität; auch
wer noch immer denkt, es gehe um Superstars, der kann ja heute mal zu
Carmen Nebel rüberzappen, wo mitten in der Playback-Hölle Paul Potts
die Maßstäbe gerade zu rücken hilft.
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Leipziger Volkszeitung
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