LVZ: Alles, nur nicht den Jackpot!



Leipzig (ots) – Von Roland Herold
Na, wie war dieses Gefühl beim Ankreuzen in der Lotto-Annahmestelle?
Eiskalte Finger, Schweiß auf der Stirn, Euro-Zeichen vor den Augen?
Was wäre, wenn? Ein ganz persönliches Konjunkturpaket vielleicht mit
Porsche und Villa am See, Banknotenbündel für die Verwandschaft, ein
Schutzschirm für die Enkel und russischer Kaviar für die Katze?
Tja, wer so denkt, der ist trotz klarer Symptome Opfer des häufig
unterschätzten Lotto-Fiebers geworden, eines Rauschs aus unheilvoller
Euphorisierung und Größenwahn. Denn in Wahrheit ist ein Lottogewinn
so beinahe das Furchtbarste, was einem Menschen im Leben zustoßen
kann. Das wird Betroffenen aber erst nach dem Knacken des Jackpots
klar, wenn es längst zu spät ist …
Dann nämlich braucht der Gewinner auf einen Schlag: einen erfahrenen
Psychologen, der das Unfassbare zu verarbeiten hilft, einen
anerkannten Kardiologen, der die Herzrhythmus-Störungen eindämmt,
einen selbstlosen Finanzberater, der die Kohle vor dem raschen
Verdampfen auf dem Finanzmarkt bewahrt, einen unerschrockenen
Vorkoster, der die Pralinen der engeren Verwandschaft prüft,
knallharte Bodyguards mit Fremdenlegion-Erfahrung für Villa und
Porsche, einen nichtpädophilen Chauffeur für die Enkel, einen
tiermediatorisch geschulten Fitnesstrainer für die verfettete Katze
und einen Exclusive-First-Chief-Supervisor-Director of Management
(mit Stellvertreter, Sekretärin und Beraterstab), der den
unüberschaubar gewordenen Laden zusammenhält. Dämmert es?
Im Gegensatz zu Spanien, wo in der größten Lotterie derWelt der
Hauptpreis El Gordo (der Dicke) ganze Belegschaften und Dörfer trifft
und wochenlang in Fiesta-Laune versetzt, steht der deutsche
Lotto-Gewinner nämlich in der Regel ganz allein mit seinen Millionen
da. Dänemark verteilt nicht ohne Grund Broschüren mit dem Titel
“Erste Hilfe für Lottomillionäre”. Und aus den USA ist bekannt, dass
dort etwa jeder dritte Gewinner früher oder später Pleite geht, zum
Opfer von Überfällen wird oder eines unnatürlichen Todes stirbt.
Wollen Sie das wirklich?
Die Devise kann deshalb nur lauten:Alles, nur nicht den Jackpot!
Falls das Unheil aber nicht mehr aufzuhalten und der Tipp-Schein
schon im Hause ist, hilft jetzt nur noch eines: Licht aus, Fernseher
aus und Beten, dass es höchstens ein Dreier wird. Und den
Lotto-Schein sicherheitshalber so lange unterm Kopfkissen verstecken,
bis der Gewinn restlos verfallen ist.

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558  

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