Lausitzer Rundschau: Zwischenbericht zu den Missbrauchsfällen bei den Jesuiten Ein völliges Versagen



Cottbus (ots) – Sie wussten alles, und sie haben weggeschaut. So
kann man den Zwischenbericht der Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue,
die sich im Auftrag des Jesuitenordens um die bislang
115bekanntge wordenen Fälle von sexuellem Missbrauch etwa am
Berliner Canisius-Kolleg kümmert, zusammenfassen. Den Akten zufolge,
die die Anwältin in den vergangenen Wochen einsehen konnte, waren den
Jesuiten die sexuellen Störungen ihrer Patres Peter R. und Wolfgang
S. sehr wohl bekannt.
Doch der Orden kümmerte sich nur um seine Mitbrüder: Wolfgang S.
erhielt einen Therapieplatz, die Kinder und Jugendlichen dagegen
hatte niemand je im Blick. Für die Jesuiten ist das ein Zeugnis
völligen Versagens. Fachlich, geistlich und menschlich hätten die
Patres in den 1970er- und 80er-Jahren anders reagieren müssen, einmal
ganz abgesehen von den vertuschten Straftaten, für die eigentlich
Anzeigen fällig gewesen wären. Würden diese Vorgänge heute
stattfinden, wäre die Konsequenz schnell klar: Eine Organisation, die
sich so verhält, wie der Orden damals, ist als Träger einer Schule
ungeeignet.
Heute freilich liegen die Missbrauchsfälle nach Angaben Raues an fast
allen Schulen mehr als zehn Jahre zurück. Dennoch braucht es
Konsequenzen: Die Berliner Anwältin hat völlig recht, wenn sie eine
zügige Aufklärung und die Schaffung von unabhängigen Ombudspersonen
als Ansprechpartner für Schüler aller Schulen, nicht nur der der
Jesuiten, fordert.
Doch auch den Opfern muss Gerechtigkeit wiederfahren, durch
öffentliche Entschuldigungen ebenso wie zum Beispiel auch der
Kostenübernahme für eine Psychotherapie. Vor allem aber braucht es
künftig einen besseren Schutz dagegen, dass sexuell Gestörte in der
Jugendarbeit tätig werden.

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Lausitzer Rundschau

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