Cottbus (ots) – Bestens ist noch das Foto in Erinnerung, das
Karl-Theodor zu Guttenberg von sich kürzlich in New York auf dem
Times Square machen ließ – mit ausgebreiteten Armen stand der
Wirtschaftsminister da wie eine Showgröße inmitten all der pompösen
Leuchtreklamen. Selbstbewusst, fast schon arrogant. Der Mann traut
sich was, schließlich kann einem so ein deplatziertes Glamour-Foto in
diesen Krisenzeiten durchaus viel Ungemach bereiten. Noch mehr, als
eine nächtliche Drohung, Amt und Würden hinschmeißen zu wollen.
Nun gut, die öffentliche Schelte des Neulings für das Bild fiel milde
aus. Und was das Rücktrittsangebot angeht, sollte man sich nicht
gänzlich auf die falsche Fährte führen lassen. Denn im politischen
Geschäft läuft nichts ohne Kalkül. Deswegen muss das Gesuch des
Polit-Stars nicht nur unter dem Aspekt des Edelmuts aus Überzeugung,
sondern auch unter taktischen Erwägungen betrachtet werden: Hier
bastelt jemand kräftig an seinem öffentlichen Bild, das so aussehen
soll: Einer kämpft gegen alle, und er ist bereit, für die Missachtung
dessen, was er für richtig hält, die Konsequenz zu ziehen. Bravo,
werden die Bürger jubeln. Der Mann wird gebraucht. Und nur gut, dass
die Kanzlerin ihn noch umstimmen konnte! Dabei schert es niemanden,
ob der Wirtschaftsminister in der Sache recht hat oder nicht.
Außerdem: Angela Merkel hätte Guttenbergs Rücktritt nie und nimmer
annehmen können – dann wäre die Union kurz vor der Bundestagswahl in
kollektive Depression gestürzt. Womit schon viel über einen weiteren
taktischen Gesichtspunkt gesagt ist, nämlich den innerparteilichen:
Der von der Großen Koalition gebeutelte Wirtschaftsflügel, dem seit
Jahren eine Galionsfigur fehlt, feiert Guttenberg inzwischen wie
einen ordnungspolitischen Messias. Tadellos ist sein Auftreten, klar
sind seine Worte. Nur: Sein Krisenmanagement in der Opel-Frage war
mitunter alles andere als glücklich.
Die harten Zeiten für den jungen Minister kommen jetzt erst: Mit
Recht stellen die Karstadt-Beschäftigten die Frage, warum Opel, aber
wir nicht? Wo fängt man als Regierung daher an, und wo hört man auf?
Wäre der Wirtschaftsminister konsequent, müsste er jedes Mal, wenn
der Staat in den nächsten Wochen Milliarden in irgendeinen Konzern
pumpen wird, aus seinen Amt flüchten wollen. Das wird er nicht tun,
er wird zetern, meckern, mitmachen. Denn die Öffentlichkeit hat ja
nun das Bild, das sie von ihm haben soll.
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