Lausitzer Rundschau: Schein und Sein Wenn Arbeitslose in Hartz IV rutschen



Cottbus (ots) – Statistiken können zur Aufklärung beitragen. Sie können aber auch für Schwarzmalerei sorgen, wo es durchaus Lichtblicke gibt. So erhitzte am Donnerstag eine Expertise der Bundesagentur für Arbeit die Gemüter, wonach jeder vierte Beschäftigte, der seinen Job verliert, sofort auf Hartz IV angewiesen ist. Das klingt natürlich dramatisch, hat aber zumindest einen erfreulichen Hintergrund: Dank des Booms am Arbeitsmarkt finden auch immer mehr Langzeitarbeitslose einen Job. Allerdings nur vorübergehend, weshalb die Zeit nicht ausreicht, um damit einen Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld zu begründen. Daher landen sie gleich wieder in Hartz IV. Hätten die Betroffenen gar keine Arbeit gehabt, wären die staatlichen Transfers ohne Unterbrechung geflossen – und die “dramatische” Statistik hätte es so nicht gegeben. Schein und Sein klaffen also mitunter weit auseinander. Im konkreten Fall gibt es freilich auch eine Kehrseite, die die Politik nicht ignorieren darf: Bei den Betroffenen handelt es sich in erster Linie um gering Qualifizierte, die in aller Regel auch wenig verdienen. Bei einer längeren Tätigkeit fällt das Arbeitslosengeld dann so gering aus, dass eine Aufstockung durch Hartz IV notwendig wird. Die Antwort darauf ist nicht nur eine allgemeine verbindliche Lohnuntergrenze, um die schlimmsten Verwerfungen bei der Vergütung zu beseitigen. Mindestens genauso wichtig wäre eine Qualifizierungsoffensive, um Menschen mit unzureichender Bildung für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Genau an dieser Stelle hat die Bundesregierung jedoch den Rotstift angesetzt. Das ist viel dramatischer als die jüngste Statistik aus Nürnberg.

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