Cottbus (ots) – Eine Beschwerdeinstanz, und das ist der
Wehrbeauftragte des Bundestages, ist für Lob nicht zuständig. Auch
liegt es in der Natur der Sache, dass sich ein Ombudsmann wie
Reinhold Robbe bei den Soldaten profilieren will, die sich ihm
anvertrauen. Insofern ist das Bild verzerrt, das sein am Dienstag
veröffentlichter Jahresbericht zeichnet. Aber mit dem Hinweis auf ein
paar schwarze Schafe oder Einzelfälle schiebt man seine
Zustandsbeschreibung auch nicht einfach weg. Die aufgelisteten
5700Fälle sind die Spitze eines Eisberges und wie bei diesem
mindestens mit sieben zu multiplizieren. Zumal sie sich seit Jahren
wiederholen. Die Bundeswehr ist zwar keine Schießbudenarmee, aber
noch lange nicht das, was man sich unter einer Armee im Einsatz
vorstellt: gut ausgebildet, bestens ausgerüstet, schlank geführt. Und
deshalb motiviert, um den Kopf hinzuhalten, für uns daheim,
vertriebene Kosovaren oder unterdrückte Mädchen in Afghanistan.
Der Jahresbericht zeigt, dass es da noch eine Armee der Bürokraten
und Sesselhocker gibt, die den Einsatzkräften das Leben schwer macht.
Dass es erhebliche strukturelle Defizite und Reformmängel gibt, die
immer wieder für Verschleiß sorgen.
Dass die Politik sich nur halbherzig mit diesen Problemen beschäftigt
und weder bereit ist, für mehr Geld zu sorgen noch für mehr
Rechtssicherheit. Dieses Land schickt seit mehr als zehn Jahren mit
großen Mehrheiten des Bundestages Soldaten in Kampfgebiete, aber was
dort geschieht und wie sie zurückkommen, das interessiert dann keinen
mehr so richtig. Schäbig ist das schon.
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