Lausitzer Rundschau: Ein unmoralisches Angebot Zum kommunalen Spagat zwischen Geld und Kultur



Cottbus (ots) – Die Lage ist hoffnungslos. Die Kommunen sind in die Knie gegangen, weil immer mehr Aufgaben von Bund und Land auf sie abgewälzt wurden. Gleichzeitig haben sie aber einen anspruchsvollen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Der Mensch lebt – auch in Cottbus, Guben und Weißwasser – nicht vom Brot allein. Er braucht – je nach Vorlieben – Kultur und Karneval, Bibliothek und Bolzplatz, großes Theater und alternatives Kulturzentrum, völlig davon abgesehen davon, dass solche Angebote zu den unverzichtbaren weichen Standortfaktoren zählen, ohne die kein Investor auch nur einen Fuß in diese Gegend setzt. Freiwilligkeit ist nicht automatisch mit einer Kann-Bestimmung gleichzusetzen. Zu den Pflichten einer Kommune zählt auch, für Niveau zu sorgen. Und genau hier ist auch das Kulturministerium in der Pflicht. Sich ausgerechnet da nicht einzumischen, heißt, Projekte und Einrichtungen gegeneinander auszuspielen. Brauche ich das Staatstheater mehr als meine Neffen das Glad-House oder die Nachbarskinder die Musikschule? Das eine ohne das andere geht eben nicht, weil wir riskieren, dass eine gemütsdumpfe Generation heranwächst, die eine Bibliothek nie von innen sah und kein Puppentheater und die deshalb die Schwelle zum Staatstheater niemals übertritt. Was das Land Brandenburg der Stadt Cottbus für die rettende Finanzspritze abverlangt, ist moralisch nicht sauber. Den Preis der Sparsamkeit werden wir am Ende nicht zahlen können. Armes Cottbus!

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