Cottbus (ots) – Escada hat von seinem Gründungsnimbus gelebt. Der
ist jetzt aufgezehrt. Er lebt nur noch in der Geschichte des
Modehauses, allerdings an durchaus prominenter Stelle: “Margaretha,
die schöne Schwedin, war das Topmodel des Hauses Jacques Fath.
Wolfgang Ley war ein dynamischer, junger Unternehmer, ehrgeizig und
improvisationsfreudig. Als sich die Lebenslinien der beiden trafen,
entstand eine große Liebe und es fand sich ein unwiderstehliches
Team.”
Der Tod Margaretha Leys im Jahr 1992 hat diese Love-Story beendet.
Damals begann auch der Anfang vom Ende des Modehauses Escada. Der
Witwer Wolfgang Ley hat es nicht vermocht, die richtigen Designer an
sich zu binden. Der Börsengang 1986 hat dem Unternehmen wohl auch zu
viel Geld in die Kasse gespült, Geld, das zu locker ausgegeben wurde.
Wachstum war angesagt. Aber Escada konnte seine Position nicht
halten. Das Haus weiß selbst, dass es sich weniger stark als der
Gesamtmarkt entwickelt hat, also auch an Managementfehlern
gescheitert ist. In den vergangenen zehn Jahren hat Escada viermal
kleine Gewinne, aber sechsmal große Verluste ausgewiesen.
Die zwei wichtigsten Märkte für Escada, Amerika und Russland, zeigten
den deutlichsten Einbruch. Von dem einen ist die Finanzkrise
ausgegangen, im anderen lebten die Reichen gut von überzogenen
Ölpreisen. Aber als die Krise Milliardäre zu Millionären “verarmen”
ließ, überlegte auch diese Klientel, ob es sinnvoll ist, der
geliebten Frau jeden Tag ein Kleidchen für 1800 Euro zu gönnen.
Sollte Escada auch im Insolvenzverfahren nicht gerettet werden
können, stürbe die schöne Schwedin ein zweites Mal und dann wohl
endgültig. Es gibt schlimmere Pleiten. Aber ein bisschen Glamour kann
Deutschland durchaus vertragen. Freilich: Auch der muss erarbeitet
sein.
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