Köln (ots) – Wie oft Angela Merkel diese beiden Sätze noch
aussprechen wird? “Ich stehe sehr bewusst hinter diesem Einsatz. Er
ist nötig, weil er der Sicherheit unseres Landes dient.” Die
Kanzlerin sagte die Sätze
während der Trauerfeier für die gefallenen deutschen Soldaten
des Karfreitagsanschlags von Kundus in Afghanistan. Fast vierzig
Bundeswehrsoldaten ließen seit 2002 ihr Leben am Hindukusch. Dass
Merkel, die den Bundeswehreinsatz dort seit fünf Jahren mit
verantwortet, sich nun vor den Särgen der Toten verneigt, ist eine
überfällige Geste. Viel zu lange hat sich auch diese Bundesregierung
gesträubt, den Krieg in Afghanistan in seiner brutalen Realität und
eindeutigen Sprache anzuerkennen. Fern der Frage, ob es richtig
war, diese Militäroperation an der Seite der Amerikaner überhaupt zu
beginnen, ist das Kabinett Merkel heute endlich bereit, der
Bevölkerung reinen Wein einzuschenken: Deutschland ist an einem Krieg
beteiligt, der nicht der hergebrachten Definition des
Kriegsvölkerrechts entspricht. Und doch ist es Krieg, den die Taliban
mit Selbstmord- und Sprengstoffanschlägen, mit Panzerfaustangriffen
und Hinterhalten Tag für Tag vom Zaun brechen.
Dass Merkel die Opfer dieser extremistischen Barbarei nun im Rahmen
einer Trauerfeier würdigt, ihnen und den Angehörigen für deren
Einsatz und Opfer dankt, gehört in den Ländern der deutschen
Verbündeten längst zur traurigen, zur trauernden Routine. Doch ist
die Bundesrepublik weit davon entfernt, gefallene Soldaten als
Ausdruck und Konsequenz der eigenen Militärpolitik zu begreifen und
hinzunehmen. Es bleibt nicht viel Hoffnung, dass der Krieg zu beenden
ist, bevor die Deutschen genau dazu genötigt werden. Und Angela
Merkel, das gehört zu dieser bitteren Erkenntnis dazu, wird sich
jedes Mal neu fragen müssen, ob sie auch bei den zu erwartenden
künftigen Trauerfeiern stets wird sagen können: Ich stehe bewusst
hinter diesem Einsatz.
Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Engelbert Greis
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