Frankfurt (ots) – Die Arbeitsgruppe Ärztinnen und AIDS (3A) fordert die umgehende Freilassung von Nadja Benaissa aus der Untersuchungshaft. Benaissa wird zur Last gelegt, trotz HIV-Infektion ungeschützten Sexualverkehr praktiziert zu haben. Die Argumentation der Staatsanwaltschaft, dass nur auf diese Weise eine Wiederholungstat verhindert werden kann, ist unhaltbar und kommt einer Vorverurteilung der angeklagten Künstlerin gleich.
Das Vorgehen der hessischen Justizbehörden im Fall Benaissa und die daraus resultierende teils unsachliche Berichterstattung kann dazu führen, dass HIV-positive Frauen in Deutschland mehr denn je eine Stigmatisierung und Diskriminierung fürchten werden, wenn ihre Diagnose bekannt wird. Da Frauen hierzulande mit nur 18% einen relativ kleinen Teil der Menschen mit HIV/AIDS ausmachen, werden sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und es fehlt ihnen vor allem eine starke Lobby. Es ist zu befürchten, dass sich durch die aktuelle angeheizte Diskussion noch mehr HIV-positive Frauen in den Schutz der Privatsphäre zurückziehen werden.
3A fordert im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall eine sachliche Berichterstattung und eine adäquate Auseinandersetzung mit dem Thema “HIV und Frauen”. In diesem Zusammenhang sollte auch erfolgreiche Präventionsarbeit im HIV-Bereich diskutiert werden, insbesondere die Eigenverantwortung beim Sexualverkehr.
Die Arbeitsgruppe Aerztinnen und AIDS (3A) wurde 2006 als Interessensvertretung für HIV-Behandlerinnen gegründet. 3A ist ein Netzwerk für die wissenschaftliche Zusammenarbeit von Frauen. Im Fokus stehen frauenspezifische Forschungsprojekte, die die Qualitätssicherung und Verbesserung der Versorgung HIV-positiver Frauen zum Ziel haben. 3A ist eine Arbeitsgruppe der deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V. (DAGNÄ).
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