Peiting/München/Köln (ots) – Ob das Fernbleiben zur Papstansprache im Bundestag, Demonstrationen gegen die jüngste Hinrichtung von Troy Davis in den USA oder das Parteiergreifen für einen ungerecht behandelten Fahrgast in der U-Bahn: Zwar gibt es täglich unzählige Gewissensentscheidungen. “In der Tendenz unterlassen es jedoch immer mehr Menschen, Konsequenzen aus ihrem Moralverständnis zu ziehen”, sagt Teresa Taddonio, Journalistin und Autorin des Buches “Die Kraft des Gewissens” (ISBN 978-3-89539-485-0, Michaels Verlag, 19,80 Euro). Nach Worten der Wahl-Kölnerin gehen wirkliche Gewissensentscheidungen über öffentliche Unmutsbekundungen und Empörung hinaus. Während sie in ihrem Buch Gewissensentscheidungen von Sokrates über Galilei bis Geschwister Scholl und Langhans auf den Grund fühlt, gibt sie hier fünf Tipps, das eigene Gewissen auf den Prüfstand zu stellen.
1. Entwickeln Sie ein Bewusstsein
“Wie schon bei Luther, der das Gewissen vom göttlichen Ursprung befreit hatte, müssen wir heute an der Bildung eines Bewusstseins in uns arbeiten, auf dessen Grundlage sich das Gewissen entfalten kann: Zu sich selbst zu stehen, sich selbst treu zu bleiben und nein sagen zu können”, sagt Taddonio. Als Beispiel gilt die prekäre innere Lage des demokratischen Systems. Der Journalist Heribert Prantl vertritt im Buch “Kraft des Gewissens” die Meinung, dass unsere Demokratie gefährdet ist, weil sich der Staat in einen Präventionsstaat gewandelt habe – mit weitreichenden Konsequenzen für das Selbstbestimmungsrecht und für die individuelle Freiheit des Einzelnen. Die Freiheit der Information und die Freiheit der Meinungsbildung: Deren Aufrechterhaltung ist für die Gesellschaft dringend notwendig. “Der Weg steht jedem frei. Jeder kann sich dafür entscheiden. Die Entscheidungen von jedem von uns werden aber gesellschaftliche Relevanz erlangen und die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen”, sagt die Autorin. Dafür brauche es aber ein Bewusstsein für Sachverhalte.
2. Hören Sie auf die innere Stimme!
“Viele Menschen haben die Fähigkeit verlernt, auf die innere Stimme zu hören”, sagt Taddonio. Sie vertrauen auf die Urteilskraft von Medien und Bekannten – ohne in sich selbst hinein zu hören. Ein großes Problem bildet heute die individuelle Deformation: Je mehr Menschen sich anpassen und dadurch normiert und kalkulierbar werden, desto geringer ist die Kraft des Gewissens, weil die Menschen als Individuen nicht mehr herausragen. Wenn viele Menschen wieder der inneren Stimme folgen würden, dann wäre die Grundlage für die Wirksamkeit von Gewissensentscheidungen gelegt. Wichtig ist, im Gleichgewicht mit sich selbst zu sein. Dafür müssen Menschen jedoch lernen, Egoismus, Besitzdenken und kleinbürgerliche Denkweise zu überwinden.
3. Werden Sie innerlich aktiv!
Viele haben ein Gewissen – nutzen es aber nicht. Bequemlichkeit? Als erstrebenswert für die Gesellschaft unserer Zukunft gilt, dass Menschen wieder ihre individuelle Freiheit erreichen und in einer Gesellschaftsform leben, die sie selbst bestimmen. “Der Motor der Freiheit ist die Kommunikation. Nur wenn Kommunikation ermöglicht wird, kann ein profitfreier Raum entstehen, in dem wir alle frei kommunizieren, also lieben können. Wenn man verantwortungsvoll und angstfrei lebt, dann ist die Liebe das Mittel zur Erreichung der Ebene der inneren Glückseligkeit. Wer die Ebene der Glückseligkeit erreichen will, muss innerlich aktiv werden und das eigene Bewusstsein verändern.” Gewissen ist das Gefühl, dass etwas richtig und schön ist. Gewissen bedeutet auch Liebe zu sich selbst, zur nächsten Umgebung, zur Natur und zum Leben. Gewissen zu haben, bedeutet auch heute noch: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders” – als Möglichkeit und nicht als Zwang.
4. Trainieren Sie sich!
Das Gewissen ist wie ein Muskel. Es muss trainiert werden. Geben Sie selbst kleinen Impulsen nach. Wer in sich spürt, “Hier wird jemand ungerecht behandelt”, sollte sofort aktiv werden – und den Gedanken nicht verdrängen. Zwar erledigen sich viele Kleinigkeiten von selbst. “In der Summe aber wird der Mensch bequem. Man sollte kleinen Eingebungen und Intuitionen nachgeben. Nur so gehen Gewissenshandlungen in Fleisch und Blut über”, rät Taddonio. Damit die Gesellschaft stark und solidarisch bleibt, muss jeder lernen, der inneren Stimme folgen. Denn eine Gewissensentscheidung fördert Hoffnung, gesellschaftliche Zukunft und innere Stärke, soziale Gerechtigkeit sowie innere soziale Freiheit, Verantwortung und Anteilnahme. “Eine Gewissensentscheidung ist ein Zeichen der Verantwortung des Einzelnen gegenüber dem Rest der Gesellschaft.”
5. Schaffen Sie eine eigene gesellschaftliche Vision!
Die Vision einer neuen gerechten Gesellschaft hängt vom gesellschaftlichen Konsens ab. Also entwickeln Sie die Gesellschaft der Zukunft. Wie Sartre geschrieben hat, ist “Hoffnung die Triebkraft der Geschichte, sie ist das eigentliche Element der Zukunft.”
Die Autorin steht Ihnen gerne für Interviews und weitere Fragen zur Verfügung. Telefon: Telefon: 0221-6209706, Email: teresa.taddonio@web.de
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