Flensburg (ots) – Von Till H. Lorenz
Früher war es noch ganz einfach: Was schimmelte, komisch roch oder sein zuvor strahlendes Äußeres in ein gruseliges Farbenkleid verwandelte, wurde nicht mehr gegessen. Doch früher ist lange her und heute wandern Lebensmittel unbesehen in den Müll, einfach nur weil ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.
Gewiss, die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Industrie und Werbung werden wie so oft ihren Teil zu dieser ungeheuren Verschwendung beitragen. Zuzuschreiben haben sich die skandalöse Vernichtung von gutem Essen in erster Linie jedoch europäische und deutsche Politiker mit ihrem Hang zur Regelungswut. Letztlich haben sie in den vergangenen Jahren doch nicht weniger geleistet, als dem Verbraucher den gesunden Menschenverstand abzutrainieren. Gerade bei Lebensmitteln wird Käufern doch schon lange suggeriert, dass es für alles einen Aufdruck, ein Prädikat, Siegel, Datum oder Norm gebe. Der Verbraucher wurde in Sachen Ernährung in plüschige, rosarote Watte verpackt und mit Stützrädern versehen, damit ihm keine bösen Überraschungen widerfahren, wenn er sich – selten aus Hunger, oft aus Langeweile – seinem Kühlschrank nähert. Dass bei einer solchen Vorsorge-Politik keine kritischen Konsumenten heranwachsen können, sollte nicht weiter überraschen.
Und daher ist es auch gut und richtig, wenn Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sich gar nicht erst groß auf populistische Diskussionen zum Mindesthaltbarkeitsdatum einlässt, sondern die Aufklärung der Verbraucher in den Vordergrund rückt. 20 Millionen Tonnen Lebensmittel, die Jahr für Jahr bei den Deutschen im Müll landen, sind eben gerade kein Indiz dafür, dass Formulierungen unklar oder weitere EU-genormte Kennzeichnungen vonnöten seien. Sehr wohl sind sie aber ein Hinweis auf den unbedachten Umgang mit Essen und darauf, dass Lebensmittel allen Preissteigerungen zum Trotz noch immer günstig genug sind, um sie kurzerhand in die Abfalltonne wandern zu lassen.
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