FT: Kommentar Flensburger Tageblatt zu Preissteigerung durch E10



Flensburg (ots) – Kommentar zu befürchteten Preissteigerungen durch E10-Sprit

Gerne brüstet sich Deutschland mit seiner Fortschrittlichkeit. Gerade in Sachen Klima- und Umweltschutz und bei den erneuerbaren Energien sieht sich das Land der Dichter und Denker ganz vorne mit dabei. Einzige Bedingung: Der Einzelne soll möglichst wenig davon mitbekommen. Und so rollt eine Welle des Protests durch das Land, ist von steigenden Lebensmittelpreisen die Rede. Zumal als Schuldiger schnell E10 ausgemacht wird – also jenes vermeintliche Teufelszeug, um das sich Politik, Verbraucher und Mineralölfirmen nun schon seit Wochen streiten. Womöglich wittern hier aber auch nur einige Verbände von Lebensmittelproduzenten eine gute Gelegenheit für Preiserhöhungen, nachdem die großen Discounter ihnen in den vergangenen Monaten eine Preissenkungsrunde nach der anderen diktiert haben.

Die Sorgen vor den Preissteigerungen durch E10 müssen auch überraschen, da das Ausland schon einschlägige Erfahrungen mit dem Biosprit gemacht hat. Thailand, Brasilien, China, die USA – schon längst wird in diesen Ländern mit zehn Prozent und mehr Ethanol im Tank gefahren. Ebenso bei unserem europäischem Nachbarn Frankreich. Doch eine Meldung, dass das Baguette dadurch unbezahlbar geworden sei, sucht man vergeblich. Im Gegenteil: Die Lebensmittelpreise in Frankreich lagen 2009 sogar unter jenen von Deutschland – in Paris wurde da bereits Biosprit getankt.

Dabei soll gar nicht bestritten werden, dass Biosprit Einfluss auf die Preise für Lebensmittel hat. Nur wie sieht die Alternative aus? Der Ölpreis wird in den kommenden Jahren nicht mehr sinken, vor allem er war es, der in der Vergangenheit massiv die Preise getrieben hat. Übrigens sehr zur Freude von zweifelhaften Despoten.

Ohnehin: Weltweite Dürren, Spekulationen an den Rohstoffmärkten und ein steigender Lebensstandard in vielen Teilen der Welt dürften am Ende mehr Einfluss auf die Preise haben, als ein paar Millionen Deutsche, die zwei Prozent ihrer Getreideproduktion als Ethanolgemisch in ihr geliebtes Auto kippen.

Autor: Till H. Lorenz

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Flensburger Tageblatt
Till H. Lorenz
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