Flensburg (ots) – Klare Worte – und Forderungen: Der Abschlussbericht der Missbrauchs-Beauftragten
von Anette Asmussen
Vorhang auf für das große Finale am Runden Tisch “sexueller Kindesmissbrauch”. Die Zeit der salbungsvollen Reden ist vorbei. Jetzt können die Damen und Herren im Gremium endlich beweisen, wie wichtig ihnen die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle wirklich ist.
Christine Bergmann hat klare Worte gefunden und deutliche Forderungen gestellt. Nach gründlichen Recherchen und 15000 Gesprächen mit Betroffenen hat sie zusammengefasst, was besser werden muss im Umgang mit den hunderttausenden Missbrauchsopfern in Deutschland. Und das ist so ziemlich alles: Es fehlt an wirksamen Präventionskonzepten, an tatsächlichen Hilfen, an rechtlichen Regelungen und insbesondere an der Bereitschaft zu zahlen. Krankenkassen verweigern die Kostenübernahme für notwendige Trauma-Therapien, verantwortliche Institutionen ducken sich weg, wenn es um Entschädigungen für Opfer geht.
Die Sitzung des Runden Tisches im Juni wird zeigen, ob es auch am ehrlichen Willen fehlt, den Betroffenen zu helfen. Denn wenn die Bergmann-Vorschläge umgesetzt werden, stehen den Institutionen, unter deren Dach es zu Missbrauchsfällen gekommen ist, Millionenausgaben ins Haus. Sie sollen freiwillig individuelle Entschädigungen zahlen – selbst wenn die Taten schon verjährt sind. Und auch der Staat wird tief in die Tasche greifen müssen, denn die Missbrauchs-Beauftragte Bergmannn fordert auch staatliche Leistungen für Opfer familiärer Übergriffe.
Es wird sich zeigen, ob die Angesprochenen tatsächlich das Portemonnaie aufmachen oder mit Diskussionen um die – schon selbstverständliche – Verlängerung von Verjährungsfristen vom Thema ablenken. Mit der Vorlage von Christine Bergmann gewinnen die Opfer in jedem Fall: Entweder die Einsicht, dass ihr Schicksal in Deutschland nichts zählt – oder ihre Situation verbessert sich.
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