(pressebox) München/Amsterdam, 01.09.2009,
Ein Digitalfernsehen für alle Menschen, ungeachtet von Alter oder Behinderung. Das ist das Ziel des von Brunel University London geführten EU-Vorhabens DTV4All. Gemeinsam mit Programmveranstaltern und Geräteherstellern soll die Fernsehnutzung für Menschen mit physischen, altersbedingten oder mentalen Behinderungen leichter gestaltet werden. Das Institut für Rundfunktechnik präsentiert zusammen mit dem Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) und weiteren Projektteilnehmern erste Projektergebnisse auf der internationalen Rundfunkmesse IBC vom 11. bis 15. September 2009 in Amsterdam. DTV4All ist Partner der Europäischen Rundfunkunion (EBU) am Stand 10.D21.
In Europa leben heute 38 Millionen Menschen mit leichten und schweren Behinderungen. Für sie ist die Teilhabe an der Informationsgesellschaft deutlich erschwert. Aber nicht nur Menschen mit Behinderungen sondern auch ältere Menschen stoßen beim Umgang mit Rundfunk- und Medientechnik zunehmend auf Barrieren. Schon heute sind 20 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt – Tendenz steigend. Programmveranstalter und Gerätehersteller stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, die Fernsehnutzung für Menschen mit physischen, altersbedingten oder mentalen Behinderungen zu erleichtern.
DTV4All (Digital Television for all) wird von der EU-Kommission im Rahmen von ICT PSP (Information and Communication Technology – Policy Support Programme) gefördert. In DTV4All werden derzeit bestehende und neue Methoden für einen barrierefreien Fernsehzugang untersucht. Ziel ist mit Hilfe von umfangreichen Feldversuchen in den vier europäischen Ländern Dänemark, Deutschland, Italien und Spanien diese Methoden zu testen, damit möglichst bald ein barrierefreier Zugang im täglichen Betrieb europaweit realisiert werden kann. Damit verstärkt die Kommission ihre Bemühungen, alle Menschen in die Informationsgesellschaft einzubeziehen und an der damit verbundenen Lebensqualität teilhaben zu lassen. Gute Chancen, dieses Ziel zu erreichen, werden beim europaweiten Umstieg von analogem auf digitales Fernsehen gesehen. Ab diesem Zeitpunkt sollen Dienste, wie sie bereits von einigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gesendet werden, beispielsweise die Untertitelung von Sendungen für Teilnehmer mit eingeschränktem Hörvermögen oder der erklärende Fernseh-Zusatzton für Menschen mit reduziertem Sehvermögen, noch stärker in Europa etabliert und die Technik dafür auf Basis der in Digital Video Broadcasting (DVB) standardisierten Verfahren von der Empfängerindustrie umgesetzt werden.
Für die Zukunft entstehen im Projekt DTV4All auch neue Methoden für barrierefreie Dienste. Hochaufgelöstes Fernsehen (HDTV) und hybride TV-Empfänger ermöglichen verbesserte Darstellungsoptionen für den Bildschirm und Internet-Zugang per Knopfdruck auf die Fernbedienung. Damit werden beispielsweise Teletext-Angebote und die Untertitelung deutlich besser lesbar. Über den Internet-Zugang lassen sich auch Gebärdensprecher in das Originalbild des hybriden TV-Empfängers einblenden. In der Tontechnik sorgt das Verfahren "Clean Audio" für Fortschritte. Dabei können zur besseren Verständlichkeit für Menschen mit Hörschäden komplexe Toninhalte vereinfacht werden, man kann beispielsweise den Dialog beeinträchtigende Hintergrundgeräusche oder als störend empfundene Hintergrundmusik im gewünschten Maße unterdrücken.
Auf der internationalen Rundfunkfachmesse IBC in Amsterdam präsentiert das IRT gemeinsam mit dem Rundfunk Berlin Brandenburg und weiteren Projektpartnern erste Ergebnisse aus dem Projekt DTV4All. Die Partner demonstrieren am Stand 10.D21 der EBU eine sprechende Programmzeitung, die akustische Wiedergabe von Teletextseiten sowie eine verbesserte Form der Untertitelung, die in Deutschland mit der Einführung von HDTV angeboten werden soll. Als Gast führt die BBC ein Verfahren vor, mit dem verschiedene Untertitel für ein laufendes TV-Programm über das Internet ausgewählt werden können.
Die Projektpartner in DTV4All sind: Brunel University London (Projektkoordinator), Danmarks Radio, Institut für Rundfunktechnik, Radiotelevisione Italiana (RAI), Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), Red Bee Media Ltd., Televisió de Catalunya, Universitat Autònoma de Barcelona.
Weitere Informationen zum Projekt DTV4All finden Sie unter : www.psp-DTV4All.org
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