Wiesbaden (ots) – Prädikat besonders wertvoll
Lourdes
Drama – Deutschland; Frankreich; Österreich 2009 – FBW: Prädikat
besonders wertvoll – 99 Min. – FSK: liegt noch nicht vor – R+B:
Jessica Hausner – P: Coop99 Film, Société Parisienne de Production;
Essential Filmproduktion; Thermidor Filmproduktion – D: Sylvie
Testud; Léa Seydoux; Bruno Todeschini u.a.
Wo Krankheit, Einsamkeit, Neid und Hoffnung nah beieinander
liegen, findet sich eine ideale Bühne für ein Glanzstück des
aktuellen, europäischen Kinos. LOURDES gibt einen präzise
inszenierten Einblick in den Wallfahrtstourismus des Pilgerzentrums.
Geschickt wird das erdachte Schicksal um die gelähmte Christine und
ihre Reisegruppe unter Leitung der Malteser Hilfsorganisation mit den
Originalschauplätzen und Gegebenheiten verwoben. So pendelt dieses
Gesellschaftsbild zwischen ironischer und sehr genauer Betrachtung
vom Geschäft mit der Hoffung und dem leisen Glauben an ein wahres
Wunder, das Christine scheinbar widerfährt. Grandiose
Bildkompositionen und eine ausgefeilte Farbdramaturgie erzeugen
eindrückliche visuelle Momente. Große Kunst ist auch das feine
Schauspiel der Darsteller, sensationell besetzt bis in die
Nebenrollen. Ein absolut sehenswerter Film, dessen Mut und Leistung
hiermit nachdrücklich hervorgehoben seien!
Kinostart: 18. Februar 2010 (NFP)
Wo die Wilden Kerle wohnen
(Where the Wild Things Are) – Fantasyfilm – USA 2009 – FBW:
Prädikat besonders wertvoll – 101 Min. – FSK: ab 6 – R: Spike Jonze -
B: Spike Jonze; Dave Eggers; Michael Goldenberg – P: Village Roadshow
Pictures, Legendary Pictures; Playtone Production; Wild Things
Production – D: Max Records; Mark Ruffalo; Catherine Keener u.a.
Der wilde und jähzornige Max hat eine unglaubliche Fantasie, die
ihn nach einem Streit weit weg von den Problemen mit den geschiedenen
Eltern und der nervigen Schwester führt. In einem Boot reist er, als
Wolf verkleidet, bis auf die Insel der Wilden Kerle, die den kleinen
Entdecker sogar als ihren König anerkennen. Dort geht es jedoch nicht
nur laut und fröhlich zu, auch hier muss Max lernen, seinen Platz in
der Gemeinschaft zu finden. Um die Vorlage des weltbekannten
Kinderbuches entspinnt Regisseur Spike Jonze einen außergewöhnlichen
Film, der Traum und Wirklichkeit auf unnachahmliche Weise
verschmilzt. Sowohl die charaktervollen Masken der liebevoll
gestalteten Zottel-Monster wie auch das bezaubernde Szenenbild und
die ausgefeilte Filmmusik wirken so stark, dass der Zuschauer jede
Minute des Abenteuers voll genießen kann. Mit einer versöhnlichen
Botschaft für große und kleine, wilde und zahme Zuschauer!
Kinostart: 17. Dezember 2009 (Warner)
Das Lied von den zwei Pferden
(Two Horses of Genghis Khan) – Doku-Fiction – Deutschland 2009 –
FBW: Prädikat besonders wertvoll – 91 Min. – FSK: liegt noch nicht
vor – R+B: Byambasuren Davaa – P: Atrix Films – D: Urna
Chahar-Tugchis; Chimed Dolgor; Hicheengui Sambuu u.a.
Urna, eine mongolische Sängerin, hat ihrer verstorbenen Oma das
Versprechen gegeben, deren alte Pferdekopf-Geige restaurieren zu
lassen. Einziges Problem dabei sind die darauf eingravierten Strophen
des alten Liedes “Die zwei Pferde des Dschingis-Khan”, die nicht
vollständig geblieben sind. Urna begibt sich deshalb auf die Suche
nach den fehlenden Textteilen und nimmt den Zuschauer mit auf eine
Reise durch die Mongolei. Das filmische Poem wird begleitet von
eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen voller Ruhe mit einem Hauch
Melancholie. Die Suche nach dem traditionellen, fast vergessenen Lied
wird zu einer Besinnung auf die kaum noch gelebten Traditionen dieses
Landes. Untermalt von mongolischen Klängen lässt der Film viel Raum
für eigene Gedanken und Tagträume.
Kinostart: 14. Januar 2010 (Polyband Medien)
Prädikat wertvoll
Zweiohrküken
Komödie – Deutschland 2009 – FBW: Prädikat wertvoll – 100 Min. –
FSK: ab 12 – R: Til Schweiger – B: Til Schweiger; Anika Decker – P:
Barefoot Films Produktion, Warner Bros. Pictures Germany;
SevenPictures Film – D: Til Schweiger; Matthias Schweighöfer; Nora
Tschirner; Ken Duken u.a.
Auch nach zwei Jahren sind Ludo und Anna ein Paar, doch so langsam
schleichen sich immer mehr Streitereien in den gemeinsamen Alltag.
Als auch noch Ludos Ex-Freundin auftaucht und erneut versucht, ihm
den Kopf zu verdrehen, lässt Anna sich dazu verleiten, in der
Privatsphäre ihres Freundes zu schnüffeln. Daraufhin spricht sich
Ludo für gegenseitiges Vertrauen aus, um ihre Beziehung zu retten –
bis plötzlich Annas charmanter Ex-Freund Ralf auftaucht… Zwei Jahre
nach dem Kino-Kassenschlager KEINOHRHASEN halten Til Schweiger und
Nora Tschirner erneut an ihrem Erfolgsrezept fest:
Slapstick-Einlagen, frecher Wortwitz, süße Kids und viele bekannte
deutsche Darsteller. Die FBW-Jury lobt die unterhaltsame Komödie um
den gut beobachteten Beziehungswahnsinn und vergibt einstimmig das
Prädikat wertvoll.
Kinostart: 3. Dezember 2009 (Warner)
12 Meter ohne Kopf
(Pirates of the Baltic Sea) – Abenteuerfilm – Deutschland 2009 –
FBW: Prädikat wertvoll – 103 Min. – FSK: ab liegt noch nicht vor – R:
Sven Taddicken – B: Matthias Pacht – P: Wüste Filmproduktion GmbH,
Warner Bros. Film Productions Germany; Magnolia Filmproduktion – D:
Ronald Zehrfeld; Matthias Schweighöfer; Oliver Bröcker; Devid
Striesow u.a.
Der friesische Pirat Klaus Störtebecker ist eine beliebte Legende
und bietet eine Menge Stoff für einen überraschend humorvollen
Abenteuerfilm. Ende des 14. Jahrhunderts rebellieren Störtebecker,
sein bester Freund Gödeke Michels und ihre Besatzung frei nach
Schnauze und mit viel Spaß gegen das strikte System der habgierigen
Hanse. Damit kommen die Jungs auch mehr oder weniger gut durchs
Leben, bis Störtebecker nach einer gefährlichen Verletzung ins
Grübeln gerät. Nach dem Erfolg mit EMMAS GLÜCK inszeniert Regisseur
Sven Taddicken eine gefühlvolle und unterhaltsame Geschichte, bis in
die kleinste Nebenrolle treffend besetzt mit einer Vielzahl von
bekannten (Jung-)Darstellern, angeführt vom Gespann Matthias
Schweighöfer und Ronald Zehrfeld. Volle Fahrt voraus für einen
rockigen Soundtrack, einen Hauch von Midlife Crisis, viel Witz und
Lebensmut!
Kinostart: 10. Dezember 2009 (Warner)
Kurzfilme des Monats
Apollo
Kurzfilm – Deutschland 2009 – FBW: Prädikat besonders wertvoll – 6
Min. – FSK: ab O – R+B+P: Felix Gönnert
Bild einer Großstadt: Ein kleiner Junge sucht sich seinen
Nachhauseweg zwischen dichtem Verkehr und uniformen Anzugträgern
hindurch, bis eine Spielzeugrakete in einem Schaufenster seine
Aufmerksamkeit erregt. Kurz entschlossen stiehlt er diese Apollo und
wird auf der Flucht vor dem Ladenbesitzer plötzlich Teil seiner ganz
eigenen Raum-Zeit-Fahrt. Witzig gemacht und großartig animiert ist
dieser Kurzfilm, mit einem guten Gefühl für Räume und
Kameraperspektiven. Das Ganze wird durch immer neue Wendungen,
einprägsame Charaktere und einen gekonnten Einsatz von (Film-)Zitaten
abgerundet. Dieser “Klein-Jungentraum” ist ein weiterer
vielversprechender Vorgeschmack auf neue Projekte!
Kontakt: Felix Gönnert
Das Paket
Kurzfilm – Deutschland 2009 – FBW: Prädikat besonders wertvoll – 9
Min. – FSK: liegt noch nicht vor – R+P: Marco Gadge – B: René Jacob -
D: Thomas Dehler; Michael Schrodt; Than Le Duc
Dieser Kurzfilm von Marco Gadge wirft den Zuschauer mitten hinein
in eine ebenso schräge wie amüsante Szenerie a la Quentin Tarantino:
Zwei skurrile Gangster sollen eine ganz spezielle Lieferung
überbringen, haben allerdings mit verschneiten ostdeutschen Straßen
und einer hartnäckigen Baustellenampelanlage zu kämpfen. Ohne
überladene Gesten und protzige Mittel, dafür aber mit zugespitzen
Dialogen, geschickten Andeutungen und einem geradezu entwaffnenden
Humor nimmt diese Story vom ersten bis zum letzten Moment für sich
ein. Auch handwerklich weiß der Filmemacher mit seinem Medium
umzugehen und die richtigen Bilder zu entwickeln. Einstimmig:
besonders wertvoll!
Kontakt: Marco Gadge
Marisol
Kurzfilm – Deutschland 2009 – FBW: Prädikat besonders wertvoll –
26 Min. – FSK: liegt noch nicht vor - R+B: Hella Wenders – P:
Deutsche Film- und Fernsehakademie – D: Lanie Sumalinog; Patricia
Portune; Benjamin Urquico u.a.
Um ihre Familie auf den Philippinen zu versorgen, nimmt Marisol
ein hartes Schicksal auf sich: die Arbeit im fremden Deutschland, die
Trennung von Mann und Kindern, nur wenige soziale Kontakte und die
ständige Angst vor der Abschiebung. Ihr größter Traum ist es, endlich
genug Geld für ein Flugticket in die Heimat zusammen zu bekommen.
Doch all ihre Hoffnungen scheinen zu zerbrechen, als sie vom
plötzlichen Tod ihrer Schwester erfährt. Überzeugend wird dieser
semidokumentarische Ausschnitt einer für viele illegale Einwanderer
sehr realen Lebenswirklichkeit durch den internationalen Cast
vermittelt. Die gewählten Bilder lassen die Kluft zwischen
philippinischer Subkultur und deutschem Wohlstand besonders
nachdrücklich erfahrbar werden. Ein gekonnt strukturiertes Drehbuch
erzählt diese berührende und authentische Geschichte voller
Einsamkeit, schmerzvoller Sehnsucht und notwendiger
Selbstaufopferung.
Kontakt: Deutsche Film- und Fernsehakademie
Wagah
Kurzfilm – Deutschland 2009 – FBW: Prädikat besonders wertvoll –
13 Min. – FSK: ab O – R+B: Supriyo Sen – P: Detailfilm, Gasmia & Kamm
GbR
Die Nachbarländer Pakistan und Indien werden durch eine
undurchdringliche Mauer getrennt, die nur einen Übergang hat. An
dieser Stelle in Wagah werden jeden Tag unter dem Jubel von Tausenden
Zuschauern auf beiden Länderseiten die jeweiligen Flaggen eingeholt.
Die beeindruckend choreographierte und von Soldaten ausgeführte
Zeremonie wird in diesem hervorragenden dokumentarischen Kurzfilm zu
einem ebenso faszinierenden Reigen wie auch zu einem Sinnbild für die
Tragik der Ländertrennung, die sich auch fest in den Herzen der
Beteiligten verankert hat. Vor allem der Einstieg in diese
Alltagsschilderungen über eine Gruppe von aufgeweckten Kindern wurde
geschickt gewählt. Viele minutiös beobachtete Details ergeben eine
große Geschichte und einen einprägsamen filmischen Reiseausflug!
Kontakt: Kurzfilmagentur Hamburg
Pressekontakt:
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
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