Ernährungs-Bildung gehört auf den Tisch / Zusammenfassung 2. Dialog Ernährung und Politik



Berlin (ots) – Am 17. Juni 2009 diskutierten im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin Vertreter aus Bundespolitik, Medien, Wissenschaft und Industrie die möglichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Leistungsfähigkeit der nächsten Generation.

Dr. Klaus Krämer, Generalsekretär des Veranstalters SIGHT AND LIFE, betonte auf Grund der langjährigen Erfahrungen aus Entwicklungsländern, dass “eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen eine Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen verursacht.” Nachdem die nationale Verzehrstudie in Deutschland gezeigt hat, dass die Versorgung mit Mikronährstoffen wie beispielsweise Vitamin D, Folsäure, Vitamin A, Calcium und Selen in großen Teilen der Bevölkerung als kritisch angesehen werden muss, erklärte Prof. Hans Konrad Biesalski (Universität Hohenheim) den Zusammenhang einer unausgewogenen Ernährung und dem potenziellen Defizit an Vitaminen und Mineralstoffen. Bei der Problematik der unausgewogenen Ernährung, so Stephan Tanda (DSM), spielt, so die Erfahrungen aus den Entwicklungsländern, auch der sozioökonomische Status eine entscheidende Rolle. Dies konnte von Gerd Häuser vom Bundesverband Deutsche Tafel nur bestätigt werden. Unter den dort zur Verfügung gestellten Lebensmitteln findet sich beispielsweise selten Fisch, der wiederum wichtigster Vitamin-D-Lieferant ist.

Aus Sicht von Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, findet das Thema durchaus Eingang in die politische Diskussion, doch scheitert es häufig am Zuständigkeitsgerangel. Sie forderte jedoch, dass zum Wohle der Kinder “dieser gordische Knoten durchschlagen werden müsste.” Uda Heller (CDU), Mitglied des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz betonte die wichtige Rolle der Ernährungs-Bildung und der Familie für eine richtige Ernährung. Heller erwähnte auch gute Ansätze, die es früher im Osten gegeben hatte. So hätten Schulküchen, Schulgartenunterricht und gemeinsames Essen den Kindern das gesunde Essen näher gebracht. Nach Ansicht von Hans-Michael Goldmann (FDP), ernährungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion hat die Politik eine Vorbildrolle. Goldmann hält Kurse für Ernährung sinnvoll, da vielfach die Kenntnisse der Essenszubereitung schlicht verloren gegangen sind, was ihm auch von Gerd Häuser aus der praktischen Arbeit der Tafel bestätigt wurde. Ein Ansatz in Betreuungseinrichtungen sei sinnvoll, darin stimmten alle drei Parteienvertreter überein, da die Kinder dort die meiste Zeit des Tages verbrächten, wobei jedoch unterschiedliche Ansätze möglich seien und möglichst unbürokratisch an das Thema herangegangen werden müsste, so Goldmann.

Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass bei Kindern und Jugendlichen sowie bei deren Eltern ein großes Wissensdefizit über Nährstoffe und Ernährung im Allgemeinen besteht. Außerdem gäbe es zu wenig Wissen über die Nährstoffversorgung bei Kindern. Ein möglicher Lösungsansatz hierfür wäre es, die Nährstoffversorgung von Kindern schon früh zu kontrollieren. Nach Ansicht des Ernährungsmediziners Biesalski sollte diese deshalb Bestandteil der standardmäßigen Untersuchung U 1-9 beim Kinderarzt sein.

Während Höfken eine generelle Supplementierung mit Vitaminen durchaus kritisch sieht, hält Biesalski Supplemente im Dosierungsbereich der Empfehlung für die Nährstoffzufuhr als unproblematisch. Auch wenn es Studien gab, bei welchen in der Zielgruppe kranker Menschen mit sehr hohen Dosierungen keine positiven Effekte erreicht wurden, gibt es keine Fälle von Überdosierungen im moderaten Dosierungsbereich. Erschreckend sei jedoch aus Biesalskis Sicht, dass die Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie noch schlechter ausgefallen wären, hätten die Menschen nicht auch zu Nährstoffsupplementen gegriffen. Im weiteren Verlauf der sachlich geführten Diskussion stand bei der Mehrheit der Teilnehmer die Gesundheitssicherung durch Vermeidung eines potenziellen Nährstoffdefizits im Fokus. Dies könne aber nur mit der entsprechenden Information für die Betroffenen einhergehen, so die zusammenfassenden Worte von Klaus Krämer (SIGHT AND LIFE), “was einer gemeinsamen Anstrengung aller gesellschaftlichen Gruppen bedürfe”.

Pressekontakt:

Dr. Thomas Breisach
POYS GmbH
Mail: t.breisach@poys.de
Tel.: +49 176 80 112 810

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