München (ots) – Unterföhring, 25. November 2008 – Im Ostberliner
Stadtbezirk Treptow liegt die kleine, schicke Bar “Karlas Trinkraum”.
Die Inhaber Sandra (40) und Thomas (44) Herrmann erfüllten sich mit
der Eröffnung vor knapp einem Jahr ihren großen Traum. Die
Startfinanzierung erhielten sie durch Freunde und Verwandte, doch
inzwischen belaufen sich ihre Schulden auf knapp 30.000 Euro. Denn
beide sind in Sachen Buchhaltung überfordert: “Wir haben uns vorher
keine Gedanken gemacht. Wir sind ganz naiv da reingesprungen …
Davon, dass man eine Kalkulation machen muss, wussten wir einfach
nichts”, gibt Thomas zu. Zudem bleiben die Gäste aus.
Sandra, gelernte Köchin, hat bereits vor vier Jahren einen
Cateringservice eröffnet. Die Gewerbeküche dafür befindet sich im
Haus neben der Bar. Doch die 40-Jährige hat kaum Aufträge. Auch zwölf
Monate nach der Eröffnung können die Hermanns nicht vom Ertrag der
Bar und des Cateringservice leben. Momentan halten sie sich mit Hilfe
staatlicher Unterstützung über Wasser – doch die läuft Ende des
Jahres aus …
Stefan Hagen ist bei seiner Ankunft gleich begeistert von dem
tollen Ambiente des Lokals im liebevollen Retro-Look, das sofort
Wohnzimmer-Feeling aufkommen lässt. Umso entgeisterter ist er über
die Namensgebung “Karlas Trinkraum”: “Ich finde den Namen
grottenschlecht. Mit Trinkraum oder Trinkhalle bringe ich ‘groß’ und
‘laut’ und viel Alkohol in Verbindung. Und das ist die völlig falsche
Assoziation!” Doch der Unternehmensberater ist sicher, dass die
beiden es durch konsequente Arbeit und neue Ideen schaffen können.
Aber sie müssen sofort anpacken, denn “sonst hängt das
Damoklesschwert der privaten Insolvenz über ihnen”, so Hagen.
Die Herrmanns entwickeln eine Vielfalt von Aktionen: Kurzerhand
wird der Laden umbenannt in “Karlas Gute Stube” – und neue
Außenwerbung sorgt für mehr Aufmerksamkeit. Das Paar entschließt sich
zudem, tagsüber zu öffnen und einen Mittagstisch anzubieten. Sandra
gibt künftig Wochenend-Kochkurse für Sushi, und durch regelmäßige
Events mit Buffet, Musik und Lesungen soll das Lokal in seinem “Kiez”
bekannt werden. Nach einem ersten Besuch bei umliegenden Firmen in
der Nachbarschaft ist Thomas zuversichtlich – denn er ergattert
gleich einen Catering-Auftrag für eine Veranstaltung! Und auch die
anderen Nachbarn wollen mittags künftig auf einen Berliner Eintopf in
“Karlas Guter Stube” vorbeischauen …
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