Sankt Petersburg (ots) – Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe Atomreaktoren, die noch zwanzig oder mehr Jahre betrieben werden können, meint Dr. Hans-Josef Allelein, Professor an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH in Aachen. “Aus meiner Sicht ist es dumm und kurzsichtig, dieses Kapital zu vernichten. Aber wir leben in einer Demokratie und unsere Bevölkerung unterstützt diese Entscheidung”, so der Experte. Er ist der Ansicht, dass die Nutzungsdauer einiger deutscher Kernkraftwerke aufgrund wirtschaftlicher Probleme länger als derzeit geplant sein werde, so dass die letzten Anlagen in Deutschland erst nach 2030 außer Betrieb gehen würden.
Das Verhältnis deutscher Regierungen zur Atomenergie wechselte im letzten Jahrzehnt mehrmals. Nach der Fukushima Katastrophe kam es in Deutschland zu einem schnellen, fest koordinierten Ausstiegsbeschluß. Offensichtlich ist, dass die Entscheidung eine politische Entscheidung ist.
Die Idee, Strom für den deutschen Energiemarkt aus dem Ausland zu importieren, findet Allelein als nicht so attraktiv, obwohl Österreich zum Beispiel ca. 15 % der Kernenergie durch Importe bekommt. Der Experte meinte, dass es für deutsche Betreiber profitabel wäre, ein Kernkraftwerk für deutschen Bedarf in Tschechien oder in der Slowakei zu bauen.
Den Atomstrom aus Rußland zu importiren, wo neben Kaliningrad zwei Kraftwerke mit einer Kapazität von 1200 Megawatt erbaut werden, wird komplizierter, als russisches Erdgas. Hans-Josef Allelein erklärt dies damit, dass die Mehrheit der deutschen Politiker sowie der Bevölkerung der Meinung sind, dass alle Kernkrafttechnologie erst recht außerhalb Deutschlands mit erheblichen Gefahren verbunden sei. Obwohl die russische Atombranche in puncto Sicherheit in den letzten Jahren erkennbare Fortschritte gemacht habe, so Allelein.
“Rußland kann Kernenergie nach Polen schicken und dann importieren Deutsche aus Polen Strom, als ob er aus Kohle erzeugt würde”, sagt Allelein. Ein Projekt, Kernenergie direkt aus Russland einzuführen, wird die Mehrheit der Bevölkerung und der Politik nicht akzeptieren, nicht zuletzt wegen des starken Mediendrucks.
Rückfragehinweis: Denis Pleshchenko 10-line V.O. 3, Sankt Petersburg, 197110 Tel.: 007 911 985 6237 e-mail: dp@cirp.ru
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