Der Tagesspiegel: Ökonomen lehnen Staatseingriffe ab



Berlin (ots) – Ökonomen haben die Politik davor gewarnt,
angeschlagene Unternehmen wie Opel zu retten und massiv in die
Wirtschaft einzugreifen. “Mit dem hilflosen Versuch, Banken und
andere Unternehmen in großem Stil zu verstaatlichen, gerät der Staat
selbst in eine gefährliche Schieflage”, sagte der Hannoveraner
Finanzwissenschaftler Stefan  Homburg dem “Tagesspiegel am Sonntag”.
Seiner Einschätzung nach werden “die psychologischen Folgen dieser
Staatsverschuldungsorgie verheerend sein”. Die Bürger vermuteten zu
Recht, dass sie am Ende die Zeche zahlen müssten. Nach der
Bundestagswahl werde der Staat vermutlich die Steuern erhöhen, die
Ausgaben kürzen “oder beides gleichzeitig tun”.

Justus Haucap, der Vorsitzende der Monopolkommission der
Bundesregierung, sagte dem Blatt, zu befürchten sei, dass sich viele
Politiker im Wahljahr als Retter feiern lassen wollten, besonders bei
Großunternehmen. “Es ist ja auch viel publikumswirksamer, einmal
47.000 Arbeitsplätze zu retten als 47.000 Mal einen.” Greife der
Staat weiter massiv ein, wären massive Verschiebungen auf den Märkten
die Folge. “Viele kleine Unternehmen würden in der Krise
verschwinden, große würden bleiben.” Dies bedeute weniger Dynamik,
weniger Innovation und letzten Endes weniger Wettbewerb – “also viele
Nachteile für die Kunden”.

Ulrich Blum, den Präsidenten des Instituts für
Wirtschaftsforschung Halle (IWH), fürchtet, ein Staatseingriff würde
die Anreize für die Unternehmen massiv verändern. “Die
Opferbereitschaft von Management und Arbeitnehmern wird dann
zurückgehen – sie wissen ja, dass im Zweifel der Staat mit seinem
Geld bereitsteht.” Wer jetzt eine Marktbereinigung verhindere,
bekomme die Probleme in fünf Jahren erneut auf den Tisch, “das lehrt
die traurige Erfahrung”. Ein Eingriff sei nur gerechtfertigt, um
einen Ruin bei den Zulieferern zu verhindern, denn diese brächten 60
Prozent der Innovationen in der Autoindustrie hervor. “Die Milliarden
von Frau Schaeffler dürfen für den Staat keine Rolle spielen –
möglicherweise aber Technologie”, sagte Blum dem “Tagesspiegel am
Sonntag”.

Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:
Tagesspiegel am Sonntag, Ressort Wirtschaft, Tel. 030-26009-260.

Pressekontakt:
Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de
   

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