Berlin (ots) – Berlin – Peter Dudek, Professor für
Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt am Main,
fordert eine Aufarbeitung der Geschichte der reformpädagogisch
orientierten deutschen Landschulheime. Dies sei eine notwendige
Konsequenz aus den jetzt in ihrer ganzen Tragweite bekannt gewordenen
Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule in Oberhambach bei Heppenheim
(Hessen), schreibt der Reformpädagogik-Experte in einem Beitrag für
den Tagesspiegel (Donnerstagausgabe). Die Geschichte der
Landschulheime ließe sich nicht ohne Verweise auf die Praxis
sexuellen Missbrauchs schreiben, Missbrauch habe die Landschulheime
seit ihrer Gründung um 1900 begleitet. Der in der Reformpädagogik
traditionell starke Bezug zum Körper sei dort problematisch geworden,
“wo das pädagogische Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern
weltanschaulich über den ,pädagogischen Eros’ definiert und gelebt
wurde”. Die Übergriffe als Einzelfälle abzutun, ist nach Ansicht
Dudeks fahrlässig. Ebenso verfehlt sei es aber, die Internate nach
den jüngsten Erkenntnissen unter Generalverdacht zu stellen. Viele
reformpädagogische Ansätze wie schülerzentrierte und
handlungsorientierte Unterrichtsformen, die heute den schulischen
Alltag prägten, seien erst durch die Landerziehungsheime auf den Weg
gebracht worden.
Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:
Der Tagesspiegel, Newsroom, Telefon: 030-29021-14909.
Pressekontakt:
Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de
No Comments on "Der Tagesspiegel: Dudek: Im Missbrauchsskandal muss die Geschichte der reformpädagogisch orientierten Landschulheime aufgearbeitet werden"