"DER STANDARD"-Kommentar zu Pelinka in den ORF: "Schamlos" von Alexandra Föderl-Schmid



Ausgabe vom 29.12.2011

Wien (ots) – Kein Wunder, wenn sich ORF-Mitarbeiter verschaukelt vorkommen – um nicht eine drastischere Formulierung zu verwenden. Dass die Bestellung Nikolaus Pelinkas zum Bürochef des Generaldirektors fünf Tage vor der Ausschreibung verkündet wurde, ist mehr als eine “ein bisschen komische Optik”, die der ORF-Sprecher einräumt. Mehr als ein bisschen komisch ist, dass Kandidatinnen “zur Hebung des Frauenanteils” aufgefordert werden, sich zu bewerben. Dabei ist der Job schon an einen Mann vergeben – der am 1. Jänner antritt, obwohl am 10. Jänner Bewerbungsschluss ist. Das ist eine Verhöhnung, um einen Begriff zu vermeiden, der nicht ladylike ist. Es wurde sogar vorgesorgt, dass Pelinka nicht mit einem Monatssalär von 5270,65 Euro auskommen muss, da es in der Ausschreibung heißt: “Höheres Gehalt abhängig von Erfahrung und Ausbildung.” Dass Pelinka in einem Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten bereits Direktiven für den ORF (“Marktanteile verteidigen, wirtschaftliche Konsolidierung fortsetzen”) ausgibt, ist schamlos. Es geht nicht um die Optik, sondern um die Folgen: Der ORF ist weiter in Parteienhand. Die SPÖ bekommt Pelinka, die ÖVP bzw. Erwin Pröll einen Länderkoordinator, die FPÖ einen Vize-Technikchef – und Wrabetz seinen Job und eine von der Politik genehmigte saftige Gebührenerhöhung samt Zahlpflicht für alle. Kein Wunder, wenn sich ORF-Gebührenzahler verschaukelt vorkommen.

Rückfragehinweis: Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

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