Ausgabe vom 30.12.2011
Wien (ots) – Vielen Kollegen beim ORF treibt die Bestellung von Nikolaus Pelinka die Schamesröte ins Gesicht. Wie willfährig ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz der politischen Einflussnahme der SPÖ in dienendem Gehorsam nachkommt, ist kaum fassbar. Wrabetz bestellt jenen Mann zu seinem Bürochef, der als Handlanger der SPÖ seine Wiederwahl als ORF-Chef sichergestellt und damit auch den Anspruch der Kanzlerpartei auf erwartbare, also gewogene Berichterstattung klargestellt hat. Nur dem Kanzler, seinem Staatssekretär, der SPÖ-Bundesgeschäftsführerin oder ihrem ORF-Chef kommt das nicht seltsam vor. Alle anderen finden sich in einer Skala zwischen fassungslos und wütend wieder. Bei den ORF-Mitarbeitern kommt noch ein Gefühl der Ohnmacht hinzu: Sie werden von der Politik im Stich gelassen. Nicht nur von der SPÖ, die ohnedies nur auf ihren Machtanspruch achtet; auch die anderen Parteien reagierten auffallend verhalten. Erst gar nicht, dann zögerlich. Wrabetz hat es verstanden, allen ein bisschen etwas zu geben. Da haben dann auch ÖVP und FPÖ erst ihre eigenen Interessen und nur nachrangig jene des wichtigsten Leitmediums des Landes im Auge. Selbst die Grünen sind dieser Tage streichelweich. Ein Aufschrei? Nur ein verlegenes Hüsteln ist zu hören. Die Causa hat keine politische Priorität, das Engagement für einen unabhängigen ORF taugt offenbar nicht einmal als Minderheitenprogramm.
Rückfragehinweis: Der Standard Tel.: (01) 531 70 DW 445
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