(pressebox) München, 09.10.2009,
Herta Müller wurde gestern mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann freut sich über die Entscheidung: "Dies unterstreicht in eindrucksvoller Weise den Weltrang, den die deutsche Gegenwartsliteratur für sich beanspruchen kann." Für das Goethe-Institut, das die Übersetzung ihrer Werke vielfach förderte, nahm sie seit den achtziger Jahren weltweit an zahlreichen Veranstaltungen teil.
"Ich gratuliere Herta Müller sehr herzlich zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur", so Klaus-Dieter Lehmann. "Damit wird zum dreizehnten Mal ein deutschsprachiger Autor bzw. eine deutschsprachige Autorin mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, nach Günter Grass (1999) und Elfriede Jelinek (2004) das dritte Mal innerhalb von nur zehn Jahren. Dies unterstreicht in eindrucksvoller Weise den Weltrang, den die deutsche Gegenwartsliteratur für sich beanspruchen kann. Mit Herta Müller, die seit dem Erscheinen ihres ersten Buches "Niederungen" (1982) eng mit dem Goethe-Institut verbunden ist, die an zahllosen seiner Veranstaltungen mitgewirkt hat und deren Prosa mit Unterstützung des Goethe-Instituts vieldutzendfach in verschiedene Sprachen übersetzt worden ist, wird eine singuläre Stimme der deutschen Literatur geehrt. Wie kaum eine zweite hat sie sich mit den Folgen eines staatlich sanktionierten Terrors auf das Individuum und im Besonderen mit der Lebenssituation der deutschen Minderheit in Rumänien auseinandergesetzt. Herta Müller war meine heimliche Favoritin. Es ist bewegend, wie sie in einer ruhigen Erzählweise die Barbarei erst recht als solche kennzeichnet."
Auf Einladung des Goethe-Instituts hat Herta Müller an zahlreichen Veranstaltungen im Ausland teilgenommen: an Schriftstellertreffen, Symposien, Konferenzen, Buchpräsentationen, Lesungen und Messebeteiligungen – von Amsterdam bis Sydney, von Guadalajara bis Sofia. Die Spannbreite der Themen der Veranstaltungen reichte dabei von "Die Erblast von Stasi und Securitate – Was tun mit den Akten der kommunistischen Geheimpolizei?" (Bukarest 2001) und "Alte Heimat – Neue Heimat. Emigration und Literatur" (Budapest 2006) über zahllose Lesungen aus ihren Werken und die Vorstellung von Übersetzungen bis hin zu Teilnahmen an Literaturfestivals – so z.B. in Mantua 2009. Für 2010 ist sie zusammen mit anderen herausragenden deutschen Autorinnen und Autoren nach Kopenhagen zu dem Programm "Internationale Författerscene" eingeladen.
Zur Verbreitung der Bücher von Herta Müller ins Ausland hat auch das Übersetzungsförderungsprogramm des Goethe-Instituts beigetragen. Mit dessen Hilfe sind Dutzende von Übersetzungen insbesondere ihrer Prosa in verschiedene Sprachen zustande gekommen, darunter Dänisch, Schwedisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Kroatisch, Finnisch, Polnisch, Ungarisch und Rumänisch.
Müllers Werk besticht vor allem durch die eindrückliche Beschreibung des Alltags in einem totalitären System. Und die Autorin weiß, wovon sie schreibt: 1953 in Nitzkydorf im deutschsprachigen Rumänien geboren, wanderte sie 1987 nach Hausdurchsuchungen, etlichen Verhören und der Zensur ihres ersten Buches "Niederungen" aus dem Rumänien unter Ceausescu aus und siedelte nach Deutschland über. Der Literaturnobelpreis ist Höhepunkt der zahlreichen Auszeichnungen, die Herta Müller für ihre Texte bisher bekam. Ihre Romane, Essays und Kurzgeschichten erzählen vom Fremdsein und der Heimat, von politischer Verfolgung und Auflehnung gegen totalitäre Regime. Müllers Zeit in Rumänien war geprägt von Restriktionen und Überwachung durch den Apparat der Securitate, die sie auch nach ihrer Emigration nach Deutschland noch verfolgte. Seit Anfang der neunziger Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Herta Müller mit Büchern wie "Der Fuchs war damals schon ein Jäger", "Herztier" und "Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet" zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb.
Herta Müller ist die zwölfte Frau, die den Literaturnobelpreis erhält. Er ist mit umgerechnet rund einer Million Euro dotiert.
Links zum Thema:
http://www.goethe.de/kue/de5124021.htm
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