München (ots) – Wenn Ava Gardner auftritt, scheint das Kino den
Atem anzuhalten. Die Schauspielerin – sie kam aus dem ländlichen
Süden der USA, hätte eigentlich Sekretärin werden sollen und wurde
entdeckt, weil ihr Bild im Fotogeschäft ihres Schwagers auffiel –
galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit: Haare schwarz wie
Ebenholz, großzügig geschwungener Mund, zierliche Taille. Aber es gab
etwas in ihrem Look, vielleicht das Grübchen im Kinn, welches sie mit
Kerlen wie Robert Mitchum und Kirk Douglas teilte, das über das
zeitgenössische Ideal der schmachtenden Liebhaberin hinauswies: als
wäre da ein Spritzer Testosteron im Spiel, ein schärferer Stoff im
Gemisch als sonst üblich bei den Geschöpfen von MGM, dem Studio, das
seine Stars designte wie General Motors die chromblitzenden
Heckflossenautos dieser Ära.
Ihre Filme machten Gardner zu einem Idol erotischer Weiblichkeit. So
setzt die erste, berühmte Szene von Joseph L. Mankiewiczs Melodram
“Die barfüßige Gräfin” – in dem das Showbusiness viel über sich
selbst erzählt – ihr buchstäblich ein Denkmal: Vor der Statue der
verführerischen, tragisch gestorbenen Sängerin Maria Vargas versinken
Humphrey Bogart und Rossano Brazzi in stummer Anbetung. Und Gardners
Königin Guinevere in “Die Ritter der Tafelrunde” war genau der Typ,
für den Männer in die Schlacht ziehen oder sich gegenseitig vom Pferd
hauen. Die Technicolor-Exzesse der Fünfziger bekamen der
Schauspielerin übrigens gut. “Knotenpunkt Bhowani”, in dem sie an der
Seite von Stewart Granger als Halbinderin eine Frau zwischen zwei
Kulturen spielte, ist einer der schönsten Farbfilme der
Kinogeschichte. Und in “Mogambo” macht Gardner mühelos selbst Afrika
zu ihrer persönlichen Bühne: eine Frau, die zwischen wilden Tieren
und Machotypen – Clark Gable in Shorts! – gelassen und stilvoll ihren
Platz behauptet. Vielleicht kam diese Rolle, in der sie rauchen,
trinken und scharfe Sätze sagen durfte, ihrer Persönlichkeit am
nächsten. Gardner hatte im Hollywoodgewerbe keinen leichten Stand.
Sie galt als umwerfend fotogen, doch kaum dramatisch begabt, ihre
Affären und Ehen – vor allem die Beziehung zu dem katholischen,
verheirateten Frank Sinatra, der ihr dritter Mann wurde – machten den
PR-Leuten Probleme; eine Legende behauptet, sie habe Howard Hughes,
einen der reichsten Männer ihrer Zeit, mit einer Nippesfigur
ausgeknockt, später ruinierte sie sich fast das berühmte Gesicht beim
Versuch, es mit einem spanischen Kampfstier aufzunehmen. Als
“Lastwagenfahrer im Körper einer Göttin” hat Kate Beckinsale, die
Gardner in Martin Scorseses “Aviator” spielte, ihre berühmte Kollegin
bezeichnet. Es dürfte sich um eines der interessantesten Komplimente
handeln, das einer Hollywood-Diva je gemacht wurde.
17. Januar 2010, 1.05 Uhr
Die barfüßige Gräfin
THE BAREFOOT CONTESSA | USA 1954
Darsteller: Ava Gardner, Edmond O’Brien, Marius Goring, Humphrey
Bogart
Regie: Joseph L. Mankiewicz
19. Januar 2010, 0.20 Uhr
Die Ritter der Tafelrunde
KNIGHTS OF THE ROUND TABLE | USA 1953
Darsteller: Robert Taylor, Ava Gardner, Mel Ferrer, Anne Crawford
Regie: Richard Thorpe
19. Januar 2010, 2.15 Uhr
Mogambo
USA 1953
Darsteller Clark Gable, Grace Kelly, Donald Sinden, Ava Gardner
Regie John Ford
23. Januar 2010, 1.30 Uhr
Knotenpunkt Bhowani
BHOWANI JUNCTION | Großbritannien/USA 1955
Darsteller Ava Gardner, Stewart Granger, Bill Travers, Abraham Sofaer
Regie George Cukor
23. Januar 2010, 3.15 Uhr
Geheimaktion Carlotta
THE BRIBE | USA 1949
Darsteller Robert Taylor, Ava Gardner, Charles Laughton, Vincent
Price
Regie Robert Z. Leonard
29. Januar 2010, 2.50 Uhr
Verwegene Gegner
RIDE, VAQUERO! | USA 1953
Darsteller Robert Taylor, Ava Gardner, Howard Keel, Anthony Quinn
Regie John Farrow
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