Frankfurt (ots) – Das Coming-out der Partylöwen hat begonnen. “Ich
war dabei”, bekennt als Erster FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher im
Stil einer strafbefreienden Selbstanzeige und macht schon mal
Amnestiegründe geltend: “Niemand schien betrunken. Es wurde nicht
getanzt. Petra Roth erwähnte Goethe.” Ob das als Entschuldigung
reichen wird?
Es ist höchste Zeit, wenn nicht schon zu spät für Geständnisse.
Die Liste von Josef Ackermanns Freunden macht eh längst die Runde. Da
wäre Leugnen zwecklos. Der Verfemung durch SPD, Die Linke und andere
Randgruppen, die ebenso wie wir – Achtung, EU-Kommission, flagranter
Verstoß gegen die Antidiskriminierungsrichtlinie! – nicht dabei sein
durften, entkommt nur noch, wer in schonungslosem Selbst-Outing
bekennt, notorischer Fetenfan zu sein und dieser Einladung der
Bundeskanzlerin Folge geleistet zu haben.
Während die Gästeliste inzwischen ein öffentliches Gut ist, bleibt
eines der letzten großen Geheimnisse der Menschheit vorerst
unenthüllt: die Speisekarte. Würstchen und Sauerkraut kann es nicht
gegeben haben, dieses Menü bekommt dem Deutsche-Bank-Chef bekanntlich
nicht, und hätte es in Berlin schon im April 2008 einen einschlägigen
Vorfall gegeben, wäre es der Zeitung mit den großen Buchstaben und
ihren Millionen Lesern nicht verborgen geblieben – ist doch
Springer-Boss Mathias Döpfner einer der 25 Freunde. Als gesichert
darf indes gelten, dass es zum Dessert Bananen gab. Wie sonst hätte
eine informelle rot-rote Koalition am Dienstag unterstellen können,
BRD stehe für Bananenrepublik Deutschland?
Dies alles hat nun überhaupt nichts mit den Untiefen des
Sommerlochs zu tun. Es sind vielmehr bedeutungsschwangere Fragen,
denen der Haushaltsausschuss des Bundestages an diesem Mittwoch
nachgehen muss. Ob die Abgeordneten den famosen Trick der Kanzlerin
durchschauen und ihn kurz vor der Wahl zum Nachteil der Opposition
publik machen werden? Und wird Ackermann spitzkriegen, wie übel ihm
die Eventmanagerin Angela Merkel mitgespielt hat? Erst den Chef der
Deutschen Bank mit einem Geburtstagsessen für Friends&Family
einlullen, um ihm dann fünf Monate später in einer dramatischen
Septembernacht für die Rettung der Hypo Real Estate – O-Ton Ackermann
- “noch 1,5 Mrd. Euro mehr herauszupressen”!
Die Party bei Angie war ein teurer Spaß für Ackermann und
gleichsam das große Los für die Steuerzahler.
(Börsen-Zeitung, 26.8.2009)
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