Börsen-Zeitung: Und KKR kommt doch, Kommentar zum geplanten Börsengang von Kohlberg Kravis Roberts von Walther Becker



Frankfurt (ots) – Beteiligungsgesellschaften in den USA nutzen das
prima Klima am Aktienmarkt und bringen nach krisenbedingter
Zwangspause ein Unternehmen nach dem anderen aus ihren Portfolios an
die Börse. Der Index S&P500 hat seit März 60% zugelegt – die stärkste
Rally seit 70 Jahren. Allein im September sind zehn Neulinge
platziert worden, so viele wie zuletzt Anfang 2008. Und die Pipeline
ist gefüllt.

Warum also nur Portfoliofirmen platzieren? Kohlberg Kravis
Roberts, kurz KKR, ein Veteran der Branche mit etwa 50 Unternehmen im
Portefeuille, kramt angesichts der positiven Stimmung IPO-Pläne aus
der Schublade und lässt sich in New York unter dem Kürzel “KKR”
listen. Die Dokumente dafür waren schon im Sommer 2008 eingereicht
worden, jetzt ist es so weit.

Dabei soll es nach dem, was bisher bekannt ist, vor der Übernahme
des Vehikels KKR Private Equity Investors (KPE) um eine Bewertung bis
15 Mrd. Dollar gehen. Das wäre das Fünffache dessen, was Erzrivale
Blackstone auf die Waage bringt, der 2007 auf dem Höhepunkt des
Buy-out-Booms an die Börse gegangen war und Investoren enttäuschte.
Anders als bei Stephen Schwarzmans Firma aber fließt KKR kein Kapital
zu, auch machen Altgesellschafter nicht Kasse. Einverleibt werden
soll die in Amsterdam notierte, unter Bewertungsverlusten leidende
KPE – deren Kurs ist infolge der Übernahmefantasie stark geklettert.
Mit Hilfe des KPE-Deals könnte der Börsenwert von KKR in Richtung 20
Mrd. Dollar gehen. 79% des Kapitals sollen in Händen der Manager
bleiben.

Ein günstiger Zeitpunkt für einen Börsengang sieht indessen anders
aus. Die auf Schuldenfinanzierung angewiesene Private-Equity-Welt hat
längst noch nicht zu einem neuen Geschäftsmodell gefunden, das auf
hohe Fremdkapitalhebel verzichtet. Die Fonds-Investoren machen Druck:
Mehr als 200 Institutionelle, zu denen Pensionsfonds wie Calpers,
Stiftungen und Staatsfonds zählen, haben sich zusammengeschlossen, um
den Managern Druck zu machen: bei Corporate Governance und den
Gebühren, die ihnen in teils abenteuerlicher Höhe abgeknöpft werden.
Zahlreiche Investoren wollen ihre zu besseren Zeiten avisierten
Mittelzusagen nicht erfüllen, geschweige denn neue Fonds füllen.
Hinzu kommen stärkere regulatorische Auflagen und
Transparenzerfordernisse. Der Gang von Private in Public Equity ist
in dieser Situation ein mutiger Schritt. Zumindest zeugt er von
Selbstvertrauen.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de
Telefon: 069–2732-0  

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