Frankfurt (ots) – Nach einer bislang durchwachsenen Bilanz in
diesem Jahr mehren sich vor dem Ende des ersten Quartals die
Anhaltspunkte für eine Fortsetzung der Rally von Aktien und anderen
Risiko-Assets in den kommenden Wochen. Die Krise um die zerrütteten
Staatsfinanzen Griechenlands, die die Märkte bisher in Atem gehalten
hat, verliert zusehends ihre hemmende Wirkung. Es ist immer
deutlicher geworden, dass es nicht zum Äußersten, dem Staatsbankrott,
kommen wird, sondern dem Land gegebenenfalls unter die Arme gegriffen
wird – mit welchem Verfahren auch immer. Zu verheerend wären die
Folgen eines Bankrotts, als dass er zugelassen werden könnte.
Griechenland ist aber nicht entscheidend und allein auch kein
hinreichender Grund, die Erholungs-Rally der Risiko-Assets, die
bereits weit fortgeschritten ist, fortzusetzen. Entscheidend sind
vielmehr die großen Notenbanken, allen voran die amerikanische Fed.
Sie hat erneut signalisiert, dass die Märkte noch geraume Zeit in
einem Umfeld rekordniedriger Zinsen agieren können. Viele
Marktteilnehmer werden damit auch in den kommenden Monaten aufgrund
unzureichender Erträge sicherer Assets wie vor allem Liquidität und
kurz laufende Schuldtitel guter Bonität hinreichend Anreize haben,
zum Teil auch schlichtweg gezwungen sein, in Risiko-Assets anzulegen.
Aktien und Unternehmensanleihen werden zudem weiterhin positive
Impulse von der Entwicklung der Gewinne erhalten. In rund drei Wochen
beginnt in den USA die Berichtssaison für das erste Quartal 2010. Im
vierten Quartal 2009 haben die Resultate nach wie vor die zuvor zu
weit herabgeschraubten Erwartungen der Analysten übertroffen.
Anhaltende Mengenverbesserungen sowie zuletzt verstärkt von
Unternehmen durchgesetzte Preiserhöhungen werden auch für die ersten
drei Monate des neuen Jahres ein gutes Bild liefern.
Damit bestehen gute Chancen, dass auch das Revival des
inländischen IPO-Markts, das mit den Börseneinführungen von Kabel
Deutschland und Brenntag eingeläutet wird, gelingt und sich somit in
den nächsten Wochen noch weitere Kandidaten aus der Deckung wagen.
Die Rally ist jedoch mit Risiken behaftet, die Korrekturbewegungen
wahrscheinlich machen und letztlich auch dem Aufwärtspotenzial der
Risiko-Assets Grenzen setzen. So besteht die Möglichkeit, dass das
Thema Griechenland trotz seiner Entschärfung noch für Irritationen
sorgen wird. Zudem könnten sich die Fiskalprobleme anderer schwacher
Peripherie-Staaten des Euroraums als Stolpersteine erweisen. Ein
Risiko ist ferner eine Pattsituation im britischen Parlament als
Folge der Wahlen, die zu Verzögerungen bei der dringenden
Haushaltskonsolidierung führen könnte, sowie ein konjunktureller
Rückschlag auf der Insel. Geriete dadurch das Triple-A des
Königreichs ins Wanken, könnte eine Pfundkrise die Folge sein.
Ein gravierenderer potenzieller Stolperstein sind jedoch die
Notenbanken. Zwar werden sie die Zinsen noch lange sehr niedrige
halten und außerdem die geldpolitische Wende – wann auch immer – nur
sehr behutsam einleiten. Der Markt weiß jedoch, dass restriktive
geldpolitische Wenden in der Regel für Risiko-Assets abträgliche
Folgen haben. Daher dürfte bereits die Ankündigung der Wende für
zumindest vorübergehende Irritationen und Preiskorrekturen bei
Risiko-Assets sorgen. Darauf deutet die empfindliche Reaktion der
Märkte auf die erste kreditpolitische Restriktion Chinas vom Januar
hin. Neben der US-Berichtssaison wird im ersten Monat des zweiten
Quartals damit u.a. auch die nächste Tagung des Offenmarktausschusses
der amerikanischen Zentralbank über Wohl und Wehe der Märkte
entscheiden.
Längerfristig werden sich die Marktteilnehmer zudem fragen, ob der
Aufschwung der Weltwirtschaft wirklich nachhaltiger bzw. selbst
tragender Natur ist. Denn neben den monetären Stimuli werden auch die
massiven globalen Konjunktur-Ankurbelungsmaßnahmen Zug um Zug
eingestellt. Zudem werden in vielen Staaten – nicht nur in
Griechenland – nach der drastischen Ausgabenausweitung zur Bekämpfung
der Krise konjunkturdämpfende Haushaltskonsolidierungspakete folgen.
(Börsen-Zeitung, 20.3.2010)
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