Frankfurt (ots) – Es ist sicherlich ein Grund zur Freude, wenn der
Auftakt zur Berichtssaison so positiv ausfällt. Der
US-Aluminiumproduzent Alcoa ist nach drei Quartalsverlusten in Folge
überraschend deutlich in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Damit
hat der Konzern die Erwartungen der Analysten übertroffen, die
allenfalls auf eine schwarze Null gehofft hatten.
Die frohe Botschaft des Unternehmens aus Pittsburgh, gepaart mit
positiven Daten vom US-Arbeitsmarkt und aus der deutschen
Industrieproduktion, haben auch den Dax beflügelt – und dabei nicht
nur rohstoffnahe Werte. Die Hoffnungen auf sichtbare Belebungszeichen
in den Firmenbilanzen allgemein sind auch hierzulande groß. Doch die
Euphorie im Markt dürfte verfrüht sein.
Wie andere Unternehmen profitiert Alcoa inzwischen von den in der
Krise eingeleiteten harten Restrukturierungen. Unter Leitung des
ehemaligen Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld hat sich der Rohstoffkonzern
eine schmerzhafte Schrumpfkur verordnet und dabei seit Juni 2008 rund
19000 Stellen oder ein Fünftel der Belegschaft abgebaut. Dabei wurden
20% der Kapazitäten gekürzt. Dem Management ist zugute zu halten,
dass die angepeilte Kostensenkung von 2,4 Mrd. Dollar schneller
realisiert wurde als geplant. Das ist auch in anderen Unternehmen zu
beobachten, die angesichts der hohen Dramatik des Abschwungs beim
Sparen auf die Tube gedrückt haben wie kaum zuvor.
Abgesehen von den Restrukturierungserfolgen sind sicherlich auch
positive Signale aus der Realwirtschaft zu erkennen. Alcoa selbst
spricht von einer Stabilisierung ihrer Abnehmermärkte und beobachtet
wachsende Nachfrage, wozu China maßgeblich beitragen dürfte, wo ein
Drittel des weltweiten Aluminiums verbraucht wird. Über steigende
Mengennachfrage wird auch in anderen Industriebranchen berichtet –
zum Beispiel in der Chemie. Doch auf welch’ niedrigem Niveau?
Für Optimismus gibt es keinen Grund, zumal sich die dunklen Wolken
noch nicht verzogen haben. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie
ist mehr als unbefriedigend, der Beschäftigungsabbau noch nicht
durch, die Wirkung der Konjunkturprogramme begrenzt, und die
Aussichten für den Konsum sind ernüchternd. Mag das Schlimmste
vorüber sein, der Weg der Erholung ist lang und steinig.
(Börsen-Zeitung, 9.10.2009)
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