Frankfurt (ots) – Der “Merger Monday” meldet sich machtvoll
zurück: Der global zweitgrößte Lebensmittelanbieter Kraft Foods aus
den USA greift mit einem milliardenschweren Übernahmeversuch Nestlé
als Nummer 1 an. Das Objekt der Begierde, der britische
Süßwarenhersteller Cadbury, wehrt sich. Das Management weist das 11,7
Mrd. Euro schwere Kaufangebot zurück, denn die Offerte sei zu
niedrig. “Fast Food” werden die Briten nicht.
Die Amerikaner wollen sich aber den Appetit nicht verderben
lassen. Doch werden sie einen deutlich höheren Aufschlag als 30% auf
den Tisch legen müssen, um den SnackHersteller schlucken zu können.
Immerhin bieten die Amerikaner überhaupt eine Prämie – anders der
Rohstoff-Multi Xstrata, der Anglo American für anfänglich 67 Mrd.
Dollar völlig ohne Aufschlag andocken will.
Störend aus Sicht der Cadbury-Eigner ist die Struktur: Offeriert
werden 60% Kraft-Aktien. Dabei ist die Bilanz des US-Multis, der sich
2007 die Danone-Kekse für 7,8 Mrd. Dollar einverleibt hatte, schon
arg strapaziert: Der Unternehmenswert von 60 Mrd. Dollar besteht zu
18 Mrd. Dollar aus Nettoschulden, und das Verhältnis der
Nettoverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis würde mit dem Deal in
Richtung 5 marschieren.
Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Reaktion der Investoren zeigt,
dass sie Nachschlag erwarten: Die Cadbury-Aktie schoss zu
Wochenbeginn sofort über den lancierten, unverbindlichen
Angebotspreis. Dies könnte Begehrlichkeiten bei Weltmarktprimus
Nestlé wecken. Doch ein teurer Bieterkampf ist die Sache der
Schweizer nie gewesen, und aus ihrer Sicht könnte es sich lohnen,
abzuwarten und zu schauen, was daraus wird, wenn sich zwei Rivalen
zerfleischen, und welche Brocken am Ende für sie dabei abfallen. Eine
um Cadbury erweiterte Kraft Foods käme auf einen Jahresumsatz von 50
Mrd. Dollar. Den hat Nestlé indessen schon nach sechs Monaten.
Der Fall demonstriert deutlicher als die Hängepartien im
Rohstoffsektor die Zuversicht von Bankern und Managern angesichts
dessen, dass die Bewertungen den Boden gefunden haben und sich aus
schierer Größe eben doch Vorteile ziehen lassen. Der Wahn vergangener
Tage kehrt zurück. Es ist die Hybris von Managern gewesen, die große
Übernahmen letztlich scheitern ließ und gewaltige Werte vernichtete.
Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass sich die Krise mit Schokolade
oder Kaugummis versüßen lässt.
(Börsen-Zeitung, 8.9.2009)
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