Frankfurt (ots) – Der deutsche Aktienmarkt hat die beendete
Börsenwoche mit einem kleinen Aufschlag von 1,2% beim Dax leicht
freundlich beendet. Getragen wurden die Kurse bisher von einer recht
erfreulichen Quartalssaison und dem Nachlassen der Ängste
hinsichtlich der Auswirkungen der griechischen Schuldenkrise, sodass
nun die Marke von 6000 Punkten beim deutschen Leitindex in greifbare
Nähe gerückt ist. Sie dürfte in der neuen Woche genommen werden.
Das Sentiment der Marktteilnehmer ist aber dennoch nur sehr
beschränkt zuversichtlich. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die
Stimmung belasten und verhindern werden, dass die Rally wieder
auflebt und zu einer Dynamik wie im vergangenen Jahr zurückfindet.
So begrenzt eine dürftige konjunkturelle Entwicklung der Eurozone
das Potenzial für den Aktienmarkt. Für 2010 erwarten beispielsweise
die Volkswirte der Unicredit in der Eurozone ein mageres
Wirtschaftswachstum von gerade 0,9%. Zum Vergleich: Die USA sollen
zumindest auf 2,5% kommen. Dass Deutschland zwar immerhin 1,5%
erreichen könnte, ist angesichts der starken Exportorientierung der
deutschen börsennotierten Unternehmen auch nur ein schwacher Trost.
Das Problem der Eurozone liegt dabei nach Einschätzung der
Unicredit-Analysten in einer schwachen Konsumnachfrage. Mehr als eine
Stabilisierung des Konsums ist auch im laufenden Jahr wohl nicht
drin. Der Aufschwung dürfte damit praktisch ausschließlich von den
Exporten getragen werden, sodass die konjunkturelle Entwicklung alles
andere als nachhaltig ist. Ein Anziehen des Konsums ist nach Ansicht
der meisten Ökonomen erst 2011 drin.
Langer Atem
Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass praktisch alle
europäischen Staaten ihre Staatsverschuldung deutlich reduzieren
müssen. Eine Politik der Schuldenreduzierung wird den finanziellen
Spielraum der Regierungen stark einschränken. Ein gutes Beispiel ist
Griechenland: Kräftige Ausgabenkürzungen und saftige Steuererhöhungen
drohen die Konjunktur abzuwürgen. Zwar müssen andere EU-Staaten nicht
im gleichen Ausmaß auf die fiskalpolitische Bremse treten. Spürbar
dürfte der Effekt aber dennoch sein.
In diesem nicht sonderlich erfreulichen Marktumfeld kommt noch ein
weiterer Faktor hinzu. Es herrscht nach wie vor Unsicherheit, welchen
Kurs die Notenbanken unter Führung der Federal Reserve einschlagen
werden. Eine Beibehaltung der aktuellen Politik des äußerst billigen
Geldes und der fast unbegrenzten Liquiditätsausstattung der Märkte
ist wegen der damit verbundenen Risiken auf Dauer nicht denkbar. So
würde die immer noch überbordende Liquidität wie schon in den
Vorjahren zu einer Kette von Mini-Bubbles führen, wobei die Gefahr
besteht, dass diese wieder in eine große Überbewertungsblase und bei
deren Platzen in eine neue Krise mündet. Hinzu kommt die Aussicht
steigender Inflationsraten, die über kurz oder lang ein Gegensteuern
der Zentralbanken erfordern.
Gift für die Märkte
Nach Überzeugung der Experten der WestLB ist aber bereits ein
lediglich rhetorischer Schwenk in der Geldpolitik der Fed Gift für
die Märkte. Bislang hat die US-Notenbank, deren Offenmarktausschuss
sich am Dienstag zur geldpolitischen Sitzung trifft, seit rund einem
Jahr in den Kommuniqués zu den Zinsentscheiden gebetsmühlenartig
wiederholt, es sei für eine “ausgedehnte Zeitspanne” (“extended
period”) mit einem ungewöhnlich niedrigen Leitzinsniveau zu rechnen.
Gegen diese Formulierung hatte mit dem geldpolitischen Falken Thomas
Hoenig, dem Präsidenten der Fed-Filiale von Kansas City, bislang nur
ein einzelner prominenter US-Notenbanker aufbegehrt. Inzwischen, so
die WestLB, regt sich bei weiteren Mitgliedern des
Offenmarktausschusses Unwille, sodass damit zu rechnen ist, dass die
Fed am Dienstag oder spätestens in der Sitzung vom 27./28. April zu
einer unbestimmteren Formulierung übergehen dürfte, die ihr Spielraum
für einen Kurswechsel möglicherweise bereits im Herbst lässt.
Die Zinssitzung der Fed dürfte damit für die Aktienmärkte das
entscheidende Ereignis der neuen Woche werden. Sollte die
US-Notenbank tatsächlich die Zinswende einläuten, wären Verluste
programmiert.
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