Börsen-Zeitung: Abgang mit Knalleffekt, Kommentar zum Rücktritt Axel Wieandts von Björn Godenrath



Frankfurt (ots) – Wenn ein Manager am Tag vor der
Bilanzpressekonferenz den Bettel hinwirft, dann muss es gekracht
haben. Im Fall Axel Wieandt gab es Differenzen mit dem staatlichen
Bankenrettungsfonds Soffin. Dabei ging es zum einen ums Geld. Wieandt
hatte im Hintergrund keinen Hehl daraus gemacht, dass es seiner
Ansicht nach keine gesetzliche Grundlage für die Gehaltsbeschränkung
des Konzernvorstandes auf 500000 Euro im Jahr gibt. Trotzdem hatte er
sich in vorauseilendem Gehorsam gefügt und die Beschränkung
akzeptiert – und darüber hinaus ein Jahresgehalt als Kompensation für
seine eigentlichen Vertragsansprüche erhalten.

Gestreut wird nun, Wieandt habe für die Mitarbeiter der Hypo Real
Estate (HRE) Boni-Regeln aushandeln wollen. Ein durchaus
verständliches Ansinnen, das sich allerdings schlecht mit der
öffentlichen Positionierung der staatlichen Bankenretter verträgt. Wo
der Staat Geldinstitute mit Steuermilliarden auffängt, sollen sich
Finanzmanager im quasi-öffentlichen Dienst allein aus Rücksicht auf
das Volksempfinden in Bescheidenheit üben. Da passen Boni, so
sinnvoll sie in vernünftiger Konstruktion als Leistungsanreiz auch
sein mögen, schlecht in die Landschaft. Allerdings obliegt die
Boni-Festlegung laut Aktiengesetz dem Vorstand. Solche Vorgaben des
Eigners sind also nicht ganz unproblematisch.

Zum anderen soll es Differenzen über die strategische Ausrichtung
der Bank gegeben haben. Offenbar fühlte sich der 43-Jährige unter der
Schirmherrschaft des Soffin gegängelt und drang auf größere
Freiheitsgrade. Ein echtes Bekenntnis, den Job bis zur
Reprivatisierung durchzuziehen, hatte Wieandt übrigens verweigert –
er wird schon gewusst haben, dass die offenkundigen Reibungspunkte in
einen vorzeitigen Abschied münden können.

Dass Wieandt sich mit Knalleffekt verabschiedet, bringt den Soffin
in die Bredouille, muss nun doch die eher unscheinbare Risikochefin
Manuela Better die interimistische Führung der Bank übernehmen. Da es
sich allein mit Blick auf das Volumen des Kreditbuches um keinen
unbedeutenden Posten in der deutschen Kreditwirtschaft handelt, ist
der Bund gefordert, recht flott eine vorzeigbare Lösung für den
Chefposten zu präsentieren.

Wie es mit Wieandt nun weitergeht? Spekuliert wird, er könne in
den Schoß der Deutschen Bank zurückkehren und bei der Tochter
Postbank anheuern.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de  

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