Börsen-Zeitung: Eine Nummer kleiner, bitte, Kommentar zum Internationalen Währungsfonds von Stephan Balling



Frankfurt (ots) – Folgt man den düsteren Prophezeiungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), dann hilft nur noch beten. “Das Ende ist nah, Armageddon droht!”, schallt es aus der 19. Straße in Washington D.C. Zwischen 500 Milliarden und 1 Billion Euro seien zur Rettung nötig, andernfalls drohe die Pleite einer Reihe von Staaten und damit der Einbruch der Weltkonjunktur, lautet das düstere Szenario von IWF-Chefin Christine Lagarde. Geht’s vielleicht eine Nummer kleiner?

Sicher, die Konjunktur – global, in Europa und in Deutschland – schwächt sich ab, es droht eine Rezession. Weltweit sind Staaten überschuldet, das Misstrauen unter Anlegern wächst. Womöglich verschärfen sich die Refinanzierungsschwierigkeiten der Staaten – vor allem in der Eurozone – weiter. Aber erstens hilft es nicht, wenn der IWF immer neue Horrorszenarien an die Wand malt, denn das schafft ja erst recht Misstrauen und Verunsicherung. Zweitens wäre es vielleicht ja mal eine Idee, zu überlegen, ob nicht jedes Land selbst in der Verantwortung steht, seine Probleme zu lösen. Der zentralistische Ansatz, die globale Schuldenkrise durch immer neue Mittel für eine Weltinstitution zu lösen, weist jedenfalls in die falsche Richtung. Vielleicht ist es aber genau das, was wirklich hinter dem Doomsday-Szenario des IWF steckt: Mehr Macht für die eigene Institution.

Zum Glück wird dieses Kalkül wohl nicht aufgehen, schließlich werden die USA nicht mitmachen; und ohne Amerika wird eine Summe in der Höhe, wie sie sich der IWF wünscht, nicht zusammenkommen. Gerade in einem Wahljahr wird kein US-Politiker – sei es, dass er für das Amt des Präsidenten oder für den US-Kongress kandidiert – seinem Wahlvolk erklären wollen, dass die ebenfalls in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden Vereinigten Staaten Milliarden von Dollar zum IWF tragen sollen. Das ist gut so.

Denn noch so viel Geld kann nicht alles Unheil von den Erdenbürgern abwenden. Am Ende müssen einige Länder durch strukturelle Anpassungsrezessionen, die durchaus die Weltkonjunktur in Mitleidenschaft ziehen können. Aber eine Delle im globalen Wirtschaftswachstum, selbst eine weltweite Rezession, ist eben noch kein unerträgliches Unglück. Viel gefährlicher als eine über ein paar Monate schrumpfende Wirtschaftsleistung ist die Verfestigung von Strukturen für eine zentralistische Wirtschaftslenkung. Die Französin Lagarde und die keynesianischen IWF-Ökonomen müssen verstehen: Wettbewerb und dezentrale Entscheidungsstrukturen sind das Erfolgsgeheimnis für eine prosperierende Wirtschaft.

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