Karlsruhe (ots) – Das Ganze entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Ausgerechnet Annette Schavan, die einst als baden-württembergische Kultusministerin wie eine Löwin dafür gekämpft hat, dass der Bund beim Thema Bildung nichts mehr zu sagen hat, bettelt heute geradezu darum, dass die Länder einen Teil ihrer Kompetenzen wieder an den Bund abgeben. Zumindest bei der Finanzierung der Hochschulen soll das Grundgesetz erneut geändert werden. Eigentlich müsste die Initiative Schavans zum Scheitern verurteilt sein. Starke und selbstbewusste Länder würden das Ansinnen der Ministerin in Bausch und Bogen ablehnen. Doch so einfach ist die Sache nicht. Nur die wenigsten Länder, angeführt von Baden-Württemberg, sind heute noch für die strikte Trennung. So ist nun im Bundesrat eine knappe Mehrheit für die Initiative Schavans zustande gekommen. Dass Bundesbildungsministerin Schavan am Ende das bekommt, was sie möchte, liegt an dem Joker in ihrem Ärmel. Sie hat, was die Länder am dringendsten brauchen: Geld, viel Geld. Die Hochschulfinanzierung ist teuer, in wenigen Jahren läuft die Exzellenzinitiative aus, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen stehen im harten internationalen Wettbewerb und müssen sich neu ausrichten. Die meisten Länder, denen wegen der Vorgaben der Schuldenbremse ohnehin das Wasser bis zum Halse steht, wären froh, wenn ihnen der Bund einen Teil der Kosten abnähme. Annette Schavan weiß das – die Zeit spielt für sie.
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