Aushöhlung der Autorenfreiheit durch Open Access?



(pressebox) Bonn, 27.08.2009,

Der Initiator des "Heidelberger Appells", Roland Reuß, verwahrt sich weiter gegen eine Publikationspflicht in Open-Access-Plattformen für öffentlich geförderte Forschung. In der September-Ausgabe der Zeitschrift "Forschung & Lehre" erneuert der Literaturwissenschaftler den Vorwurf gegen die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, mit ihrer Open-Access-Initiative die Rechte der Urheber zu missachten. "Das eine ist das, was die DFG und die Allianz mündlich beteuern, das andere ist das, was sie faktisch betreiben", so Reuß im Interview. Die Erklärungen der Wissenschaftsorganisationen liefen darauf hinaus,

"dass in den Geisteswissenschaften die Abkoppelung des Wissenschaftlers von einer professionellen Verlagsszene, seine Atomisierung, und in deren Konsequenz die Zerschlagung der gesamten mittleren und kleineren Verlagsszene angestrebt oder zumindest billigend in Kauf genommen wird". Wissenschaft sei aber keine Ware und seriöse selbstbestimmte Forschung keine Auftragsarbeit. "Es gibt eine essentielle, vom Gesetz ausdrücklich geschützte Verantwortung des Autors für sein Werk, und die erstreckt sich eben auch auf die sorgfältige Wahl des Publikationsorts", betonte Reuß. Beim "Heidelberger Appell" sei es von Anfang an nicht um eine Opposition gegen Internet und Digitalisierung gegangen, sondern um die Zurückweisung von Eingriffen in die souveräne Verfügungskraft des Autors.

Demgegenüber sieht der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, die Freiheit der Autoren durch Open Access nicht bedroht. "Beim Open-Access-Publizieren geht es ausschließlich darum, dass Autoren als Urheber ihrer Werke den über das Internet für den Leser entgeltfreien Zugang zu ihren eigenen Schöpfungen gewähren", so Kleiner gegenüber "Forschung & Lehre". Die Forderung der Allianz nach einem unabdingbaren Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftliche Autoren nach einer Sperrfrist von sechs Monaten beziehe sich nur auf unselbständige Werke, nicht aber auf Monographien. "Ich bin jedoch der Auffassung, dass auch Monographien und Editionen nach einer Sperrfrist, die ja ohnehin nur dem berechtigten kommerziellen Interesse von Verlagen dient, im Open Access verfügbar gemacht werden können", erklärte Kleiner weiter.

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